In Simmering

Gemeindebau wochenlang ohne Lift – Mieter verzweifeln

Seit Mitte Juli steht der Lift auf Stiege 10 des achtstöckigen Gemeindebaus am Muhrhoferweg still. Bewohner sprechen von unzumutbaren Zuständen.
Christine Ziechert
27.07.2026, 05:45
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Auf Stiege 10 des Gemeindebaus am Muhrhoferweg 7–11 (Wien-Simmering) ist es nicht nur schwül – es herrscht auch dicke Luft. In dem achtstöckigen Haus ist der einzige Lift außer Betrieb, die Bewohner – darunter auch viele Senioren – sind stark eingeschränkt. Einkäufe, Arztbesuche oder das Gassigehen mit dem Hund werden zur täglichen Herausforderung.

Laut Aushang soll die Sperre nur bis 31. Juli dauern, doch eine Bewohnerin erhielt von der Aufzugsfirma telefonisch die Auskunft, dass die Arbeiten spätestens bis 31. Oktober abgeschlossen sein sollen – auf Nachfrage wird von der Firma allerdings erklärt, dass davon ausgegangen wird, dass die Arbeiten früher fertig sein werden.

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Der Gemeindebau am Muhrhoferweg hat insgesamt acht Stockwerke.
Helmut Graf

Lift bereits im Juni außer Betrieb

Bereits von 18. bis 25. Juni war der Lift laut Wiener Wohnen wegen eines defekten Frequenzumrichters eine Woche lang außer Betrieb. Nach der Reparatur fuhr er zwar wieder, ruckelte aber laut Bewohnern stark. Am 9. Juli wurde schließlich angekündigt, dass der Aufzug ab 13. Juli wegen der Erneuerung der Steuerung und weiterer verschlissener Komponenten erneut stillgelegt wird – diesmal für mehrere Wochen.

Besonders hart trifft der Ausfall Anna K. (57), die seit fünf Jahren im siebenten Stock lebt. Die Wienerin hatte bereits mehrere Bandscheibenvorfälle und leidet unter chronischem Asthma, Problemen mit der Achillessehne, Bluthochdruck sowie an einer um 65 Prozent erweiterten Aorta. Da sie mit der 1,5-jährigen Hündin "Xena" Gassi gehen muss, ist sie dreimal täglich auf das Trageservice angewiesen.

Langes Warten auf das Trageservice

Das kostenlose Service von Wiener Wohnen in Kooperation mit dem Arbeiter-Samariterbund Wien ist für ältere und mobilitätseingeschränkte Bewohner vorgesehen, die durch einen längeren Liftdefekt ihre Wohnung nicht verlassen können.

Bisher ist Anna K. mit dem angebotenen Dienst allerdings nicht zufrieden: "Ich habe schon mehrmals warten müssen – auch bis zu einer Stunde. Ich kann nicht so lange stehen, und sitzen im schwülen, dunstigen Stiegenhaus halte ich auch nicht aus."

Peter K. ist auf Rollator angewiesen

Auch andere Probleme seien immer wieder aufgetreten: "Einmal hatte ein Mitarbeiter einen falschen, ungeeigneten Stuhl mit, einmal hatte ein Mitarbeiter Angst vor Hunden und einmal ist ein Mitarbeiter mit einer Verletzung vor Ort gewesen, der eigentlich nicht schwer heben und tragen darf", so Anna.

Auch Peter K. (82) aus dem achten und letzten Stock leidet unter der Situation. Wegen einer fortgeschrittenen Polyneuropathie ist er auf einen Rollator angewiesen. "Für mich ist es unmöglich, allein vom achten Stock runter- und wieder raufzukommen."

Peter K. (82) aus dem achten Stock leidet an fortgeschrittener Polyneuropathie.
Helmut Graf

Bub (3) bekommt sehr schwer Luft

Heimhilfen würden dreimal pro Woche kommen und Einkäufe erledigen. "Auch für sie sind die acht Stockwerke eine große Belastung – sie müssen zu Fuß rauf und runter, das ist kein Dreck", meint Peter K. Wichtige Arzttermine und selbst die Müllentsorgung seien nur noch mit dem Tragedienst möglich: "Aber ich will ihn auch nicht überstrapazieren. Ich bin faktisch eingesperrt", meint der 82-Jährige.

Henriette J. (38) aus dem sechsten Stock – sie hat leichtes Asthma und bereits eine Knie-OP hinter sich – ist ebenfalls von der Lift-Sperre betroffen: "Wir haben einen dreijährigen Sohn. Er hat Polypen und kriegt sehr schwer Luft – ich kann ihn aber nicht jeden Tag rauf und runter tragen. Seine OP ist im Dezember. Ich hoffe wirklich, dass der Lift bis dahin wieder funktioniert."

Monatelange Lift-Sperre nicht zumutbar

Schon vor der Totalsperre des Aufzugs habe es immer wieder Probleme gegeben. "Man hat nie richtig gewusst: Geht er oder geht er nicht? Es war wirklich ein Chaos. Wenn der Lift jetzt wirklich Wochen oder sogar Monate ausfällt, dann ist das arbeitenden Menschen nicht zumutbar. Ich wünsche mir eine rasche Lösung von Wiener Wohnen bzw. der Aufzugsfirma."

Etwas gelassener sieht Johann N. (79) die Reparatur. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Leopoldine (76), die an Parkinson leidet und auf einen Rollstuhl angewiesen ist, wohnt er ebenfalls im sechsten Stock. "Die Liftsperre ist ärgerlich, aber es hilft ja nix. Wenn etwas repariert werden muss, kann man nichts machen", meint er nüchtern.

Johann N. aus dem sechsten Stock versteht die notwendige Reparatur, seine Frau ist allerdings auf den Rollstuhl angewiesen.
Helmut Graf

Starkes Ruckeln nach der ersten Reparatur

Die Zeit vor der Sperre sei jedoch belastend gewesen. "Aufgrund der Ungewissheit und der Unverlässlichkeit, ob der Lift fährt oder nicht, haben wir nur noch wichtige Termine wahrgenommen. Noch dazu waren die aufgehängten Infos falsch." Nach der ersten Reparatur habe der Lift zudem stark geruckelt. "Manche Hausbewohner sind nicht mehr eingestiegen – aus Angst", berichtet der 79-Jährige.

Auf Nachfrage bei Wiener Wohnen meint ein Sprecher, dass nach der ersten Reparatur am 14. Juli ein akuter Schaden an der elektrischen Aufzugssteuerung auftrat: "Um die Anlage nachhaltig instand zu setzen, wird nun die komplette Steuertechnik erneuert. Ursprünglich war diese Modernisierung erst für Herbst 2026 vorgesehen. Aufgrund des nun aufgetretenen Schadens wurden die Maßnahmen jedoch vorgezogen. Die Wiederinbetriebnahme des Aufzugs ist nach aktuellem Stand für Ende Juli vorgesehen."

Beschwerden direkt an den Arbeiter-Samariter-Bund

Zu den Beschwerden bezüglich des Trageservices wird erklärt: "Zu einzelnen von Bewohner*innen geschilderten Erfahrungen mit dem Trageservice können wir keine Auskunft geben. Allfällige Rückmeldungen oder Beschwerden zum operativen Ablauf werden in der Regel direkt an den Arbeiter-Samariter-Bund herangetragen. Unabhängig davon steht Wiener Wohnen den Mieter*innen selbstverständlich als Ansprechpartnerin zur Verfügung."

Man habe Verständnis dafür, dass der derzeitige Ausfall des Aufzugs für die betroffenen Bewohner*innen eine Belastung darstelle, "insbesondere für ältere Menschen sowie Personen mit Mobilitätseinschränkungen." Dass die Arbeiten am 31. Juli beendet sein werden, bezweifelt Anna K. allerdings sehr: "Ich habe erst vor Kurzem mit einem Techniker gesprochen. Er hat gesagt, dass ihnen noch Ersatzteile fehlen, und sich der Termin daher nach hinten verschieben wird." Das Ende der Lift-Sperre ist somit nicht wirklich absehbar.

{title && {title} } cz, {title && {title} } Akt. 27.07.2026, 09:59, 27.07.2026, 05:45