Gletscher schmelzen im Rekordtempo

Alarmstufe Rot: Anhand eines Gletschers in Grönland zeigen Wissenschafter, wie schnell das Eis schmilzt – und unsere Meeresspiegel steigen.

Die geballte Intelligenz der Welt kann nicht irren: 84 Wissenschaftler von 44 internationalen Organisationen haben 24 satellitengestützte Eismasse-Schätzungen durchgeführt, um die Gletscherschmelze zu dokumentieren. Das Ergebnis ist alarmierend: Seit wenigen Jahren schwindet das Eis im Rekordtempo – und lässt unsere Meeresspiegel steigen. Die US-Klimaforscher Robert "Bob" Corell und Gillian Benjamin haben das am Beispiel des "Jakobshavn Isbræ"-Gletschers an der Westküste Grönlands bewiesen.

Der Ilulissat-Eisfjord (Quelle: YouTube).

Der Gletscher liegt im Ilulissat-Eisfjord nahe des Städtchens Ilulissat (4.550 Einwohner) – das beeindruckende Eisfeld ist 40 Kilometer lang und sieben Kilometer breit. Das Forscherteam hat nun herausgefunden, dass "Jakobshavn Isbræ" seit 2010 viel schneller schmilzt und sich bewegt: Waren bisher 20 Meter am Tag der Durchschnitt, "fließt" er aktuell schon mit 45 Meter am Tag ab! Die Wissenschafter dokumentierten zudem große Reservoirs und Flüsse aus Schmelzwasser, die vor einigen Jahren noch nicht vorgekommen waren.

Alarmierend: Der Meeresspiegel steigt und steigt

Auf internationaler Ebene ist man sich einig, dass seit spätestens 2012 eine Potenzierung des Problems eingetreten ist: Denn während z.B. die Antarktis von 1992 bis 2012 durchschnittlich etwa 76 Milliarden Tonnen Wasser verlor (und den globalen Meeresspiegel jährlich um 0,2 Millimeter ansteigen ließ), hatte sich die Menge zwischen 2012 und 2017 auf 219 Milliarden Tonnen jährlich fast verdreifacht! Insgesamt stieg der Meeresspiegel weltweit zwischen 1992 und 2017 um 7,6 Millimeter.

Schuld sind vor allem Treibhausgase: Laut Forschern bläst die Menschheit 110 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid in die Atmosphäre – pro Tag. Fix ist jetzt schon, dass 16 der 17 heißesten Jahre in Sachen Erderwärmung seit 2001 stattfanden. Die rapide Beschleunigung des Masseverlusts an den Gletschern in den letzten zehn Jahren könnte zur Katastrophe führen: Würde sämtliches Eis in der Antarktis verschwinden, hätte das einen Anstieg des globalen Meeresspiegels um 58 Meter zur Folge – mindestens 136 Großstädte und Landstriche an der Küste ständen meterhoch unter Wasser! Schon bei einem Anstieg von nur einem Meter wären große Teile der deutschen Nordseeküste und fast ganz Holland überschwemmt.

Eine Erwärmung um fünf Grad könnte eine neue Eiszeit bedeuten

Und wie könnte unsere Zukunft aussehen? Martin Siegert vom "Imperial College London" und Stephen Rintoul vom "Centre for Southern Hemisphere Oceans Research" in Hobart (Australien) haben berechnet, dass im besten Fall die Lufttemperatur in der Antarktis bis 2070 um nur 0,9 Grad steigen würde, im schlimmsten Fall um drei Grad – somit würde der Meeresspiegel entweder um sechs Zentimeter oder um 27 Zentimeter steigen.

Sind ein oder drei Grad Erwärmung so ein Unterschied? "Ein Anstieg um fünf Grad hat gereicht, um Nordamerika vor 20.000 Jahren in eine Eiswüste zu verwandeln", erklärte ein Experte der NASA ...

(tas)

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