Greenpeace kritisiert "Klima-Bremser" in Österreich

Klima-Aktivisten gehen immer wieder auf die Straße.
Klima-Aktivisten gehen immer wieder auf die Straße.iStock
Wirtschaftsvertreter wollen keine zu drastischen Einschnitte in Folge des Klimaschutzes – Greenpeace spricht hingegen von "ungelenken Bremsmanövern".

Am 10. und 11. Dezember steht eine Weichenstellung an: Der Europäische Rat entscheidet über eine Verschärfung der Klimaziele 2030. Das nahmen am Mittwoch Wirtschaftskammer (WKÖ) und Industriellenvereinigung (IV) zum Anlass für einen gemeinsamen "Appell an die Vernunft". Denn, so die Wirtschaftsvertreter, die Klimaziele könnten in zehn Jahren 390.000 Jobs in Österreich in der energieintensiven Industrie gefährden. "Anstatt des Mottos 'wer bietet mehr' müssen vielmehr konkrete Maßnahmen, wie wir CO2-Reduktion erreichen können, im Vordergrund stehen. Und hier fehlen leider essenzielle Bausteine im European Green Deal", so WKÖ-Generalsekretär Karlheinz Kopf. "Wir müssen Ökologie und Ökonomie miteinander kombinieren – nicht gegeneinander ausspielen", ergänzt IV-Generalsekretär Christoph Neumayer.

Greenpeace gegen Abschwächungen

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hält dagegen. "Das von Karlheinz Kopf als 'illusorisch' abgetane Ziel einer Reduktion um 65 Prozent ist nicht weniger als das, was die Wissenschaft als notwendig anerkennt, wollen wir das Pariser Klimaziel einer Begrenzung der globalen Temperaturerhöhung auf 1,5 Grad noch erreichen", heißt es in einer Aussendung. "Die von der EU-Kommission nun vorgeschlagenen minus 55 Prozent sind daher bereits ein Kompromiss auf Kosten der kommenden Generationen. Für weitere Abschwächungen bleibt hier kein Raum."

"Wir haben keine Zeit für ungelenke Bremsmanöver von Industrievertretern knapp vor der Ziellinie. Österreich ist von der im Regierungsabkommen versprochenen Vorreiterrolle meilenweit entfernt. Im Zuge des EU-Ratsgipfels, der diese Woche die Klimaziele der EU fixieren soll, ist die Wissenschaft klar - selbst 55 Prozent Reduktion sind unzureichend. Die Kosten der Untätigkeit werden unleistbar. Bereits aus heutiger Sicht müssen wir 2050 mit jährlichen Folgeschäden von bis zu 30 Milliarden Euro rechnen, wenn wir nicht rasch und entschlossen handeln", warnt Adam Pawloff, Klimaexperte bei Greenpeace in Österreich.

Starke Reduktion gefordert

Österreich habe sich dazu verpflichtet, eine ambitionierte Klimapolitik in Europa voranzutreiben. Dazu zähle auch, sich für ein möglichst starkes Klimaziel einzusetzen. Für die EU heißt das, bis 2030 eine Reduktion von 65 Prozent CO2-Ausstoß gegenüber 1990, um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen. Pawloff weiter: "Es gilt nun für Politik und Wirtschaft gleichermaßen, die Zeichen der Zeit zu erkennen und aktiv an der Lösung der Klimakrise mitzuwirken, statt längst überfällige Zielfindungs-Debatten zu führen und zu bremsen."

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