Greenpeace warnt: Österreich nutzt Türkei als Müllhalde

Einer der viele illegalen Mülldeponien nahe der türkischen Stadt Adana.
Einer der viele illegalen Mülldeponien nahe der türkischen Stadt Adana.YASIN AKGUL / AFP / picturedesk.com
Der Ministeriumsbericht zu Hunderten Tonnen Müllexporten aus Österreich in die Türkei lässt bei Greenpeace jetzt die Alarmglocken schrillen. 

Greenpeace fordert eine "lückenlose Aufklärung der bekannt gewordenen illegalen Plastikmüllexporte aus Österreich in die Türkei, nach Serbien und Deutschland", heißt es in einer neuen Aussendung der Klimaschutz- und Umweltorganisation. Sie begrüße es zwar, dass die Schwerpunktaktionen des Bundesministeriums für Klimaschutz erste Ergebnisse im Müllhandel bringen würden, fordert aber klarere Gesetze und strengere Kontrollen.

Wie Greenpeace auf Zahlen des Ministeriums verweist, seien "in den letzten Monaten 950 Tonnen verunreinigter Plastikmüll aus Österreich in die Türkei verschifft" worden. Die türkischen Behörden wiederum hätten einen Teil des Mülls abgefangen. Eine Untersuchung zeige, dass "der rückgeführte Müll über die vorgeschriebenen Grenzwerte mit Störstoffen verunreinigt war und eine umweltgerechte Verarbeitung in der Türkei nicht gesichert war", heißt es.

"Die Plastikmüllberge in der Türkei explodieren"

Die Organisation kritisiert, dass "Plastikmüll aus der EU im Süden der Türkei im großen Stil neben Straßen, entlang von Flüssen und Siedlungen abgeladen und verbrannt wird". 2020 seien laut offizieller EU-Statistik rund 450.000 Tonnen Plastikmüll aus der EU in die Türkei exportiert. "Aus Österreich waren es 2020 laut offiziellen Angaben über 19.000 Tonnen Plastikmüll", so Greenpeace: "Die Plastikmüllberge in der Türkei explodieren", sagt Konsumexpertin Lisa Panhuber.

"Österreich und die EU dürfen nicht mehr länger andere Länder als Müllhalde benutzen"

Im vergangenen Jahr habe die Türkei 20 Mal so viel Plastikmüll importiert wie noch vor fünf Jahren, so Panhuber. "Leidtragend sind dabei immer Umwelt und Menschen in den Empfängerländern." Greenpeace hatte im Frühjahr 2021 an gleich zehn Stellen in der Nähe der türkischen Stadt Adana illegal entsorgten Plastikmüll aufgedeckt. Die Situation in der Region habe sich seit 2020 deutlich verschlimmert. Und: Alleine aus der Türkei landen bis zu 190.000 Tonnen Plastikmüll pro Jahr im Meer.

"Österreich und die EU dürfen nicht mehr länger andere Länder als Müllhalde benutzen und die Umwelt vor Ort verpesten. Der Kern des Problems ist die Überproduktion. Um den gesamten anfallenden Plastikmüll in Österreich zu recyceln, müssten die Kapazitäten der Recycling-Anlagen verdoppelt beziehungsweise verdreifacht werden. Viel umweltfreundlicher ist, von Beginn an weniger Plastikmüll zu produzieren, und damit der Plastikflut den Hahn abzudrehen", so Panhuber.

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