Ein außergewöhnliches Fossil, das Forscher seit über 150 Jahren beschäftigt, wurde nun als der größte bekannte Skorpion identifiziert. Die Art Praearcturus gigas lebte vor etwa 415 Millionen Jahren und erreichte eine Länge von rund einem Meter. Damit war sie vier- bis fünfmal größer als die größten heute lebenden Skorpionarten.
Die ersten Bruchstücke des Fossils wurden bereits 1870 in der St.-Maughans-Formation in England entdeckt. Lange Zeit waren sich Wissenschaftler nicht sicher, ob es sich dabei um einen riesigen Assel- oder Tausendfüßer-ähnlichen Organismus handelt. Erst Studien aus den 1980er-Jahren brachten die Vermutung auf, dass es sich um einen Skorpion handeln könnte.
Ein Forschungsteam um den Paläobiologen Richard Howard vom Natural History Museum in London hat die Fossilien nun genauer untersucht und illustriert. Dabei zeigte sich, dass der etwa 15 Zentimeter lange Scherenarm von Praearcturus gigas wie bei heutigen Skorpionen gebaut war – und nicht wie bei Krustentieren. Zudem wiesen die Forscher auf charakteristische Rillen an den Scheren hin, die vermutlich zur Abschreckung von Fressfeinden eingesetzt wurden.
Ein Vergleich mit anderen urzeitlichen Arten wie dem 430 Millionen Jahre alten Eramoscorpius brucensis bestätigte die neue Zuordnung: Beide Arten besitzen ein ungewöhnlich langgezogenes, fast dreieckiges Brustschild mit einer Rinne – Merkmale, die bei heutigen Skorpionen so nicht vorkommen. Laut Howard könnte Praearcturus gigas eines der ersten Raubtiere an Land gewesen sein, da zu dieser Zeit noch keine Wirbeltiere den Lebensraum besiedelten.
Die Forscher vermuten, dass der Riesenskorpion sowohl an Land als auch im Süßwasser lebte und dort auf Beute wie gepanzerte Fische und Seeskorpione jagte. Hinweise darauf geben die Gesteinsschichten, in denen das Fossil gefunden wurde, sowie schwimmflossenartige Anhänge am Körper des Tieres. Die genaue Funktion dieser Strukturen muss jedoch noch mit weiteren Funden erforscht werden.