Noch keine Musik, noch kein Duft nach Langos, noch stehen die Fahrgeschäfte am Linzer Urfahranermarkt still – noch warten alle darauf, dass es wieder rund geht. Genau hier trifft "Heute" am Vormittag den Bahnhofs-Dude: Influencer und Comedian Jonas Bonas. Ein passender Ort: Er wurde schließlich dort bekannt, wo Menschen ebenfalls warten – auf Bahnhöfen.
Während andere auf den Zug schauen, schaut der gebürtige Welser auf die Ortsnamen – und macht daraus Wortspiele, die so schlecht sind, dass sie schon wieder genial sind: "In Linz beginnt's – and this is where it Enns", sagte er zuletzt in der gleichnamigen Stadt. Daraus entwickelte sich wie berichtet ein humorvoller Schlagabtausch mit OÖ-LH Thomas Stelzer und Salzburgs LH Karoline Edtstadler (beide ÖVP): ein Kampf um die älteste Stadt Österreichs.
Am Marktgelände wirkt Jonas, der sich selbst als "Anfang-20" bezeichnet, überhaupt nicht wie ein abgehobener Influencer. Eher wie der lustigste Typ in einer chaotischen Reisegruppe: zwei verschiedenfarbige Socken, knallbuntes Outfit, dazu trägt er zwei Uhren – "damit ich mehr Zeit habe". Auf die Frage, ob er sich für den Urfix schon einen Schmäh überlegt habe, braucht er keine Sekunde: "Ur-fix können wir das machen."
Und auch sonst ist er für jeden Spaß zu haben: Als zwei Polizisten vorbeikommen, posiert er prompt für ein Foto. Die spontane Schlagzeile dazu steht sofort: "Influencer festgenommen". Für seine Videos fährt er inzwischen quer durchs Land – manchmal absurd lange Strecken. Für einen einzigen Gag fuhr er sogar bis nach Bregenz. Acht Stunden hin, acht Stunden retour. Der Schmäh: "Ich bin letztens gefragt worden, ob ich ein Millennial bin. Nein – Bre-Gen-Z."
Mittlerweile plant der Influencer seine Reisen fast wie ein ÖBB-Disponent. Fahrpläne werden studiert, Strecken optimiert, Bahnhöfe strategisch abgeklappert. "Manchmal fahre ich zur letzten Station und wieder zurück, damit ich möglichst effizient Videos machen kann", erzählt er. Sein Lieblingsbahnhof? "Wels und Wien – das heißt Heimkommen."
Die Idee für seine Videos entstand zufällig beim Warten auf Züge. Dann ging vor rund einem Jahr plötzlich ein Clip viral: Bad Aussee ("Du sagst mir, dass ich hässlich bin, aber ich finde, dass ich gar nicht so bad ausseh"). Seitdem erkennt man ihn fast überall: "Wenn ich rausgehe, eigentlich fast immer", sagt Jonas. Kaum ist die Frage gestellt, bleiben zwei Mädchen stehen. Sie kennen ihn, wollen kurz reden, erzählen ihm sogar eigene Ortsnamen – und er liefert spontan nach: Bei Traun habe er sich zum Beispiel "noch nicht hingetraun".
Dass Leute ihn auffordern, endlich ihren Heimatbahnhof zu besuchen, passiere ständig: "Ich kriege am Tag von zehn Leuten Nachrichten, wo ich hingehen soll." Dabei macht Jonas längst nicht nur TikTok. Er veranstaltet PowerPoint-Karaoke und produziert sogar den Podcast "Hangweyrer & Palfrader". Entstanden ist auch das über seine Videos: "Der Robert hat eines gesehen und dann gefragt, ob ich einsteigen will."
Das erste Kabarett-Programm "Generation Spielplatz" des Senkrechtstarters ist mittlerweile auch schon fertig und feiert am 8. September in der Kulisse in Wien Premiere. "Wochenenden und Feiertage habe ich schon lange keine mehr gehabt." Trotzdem wirkt der Wahl-Wiener erstaunlich entspannt. Vielleicht auch, weil er weiß: Die schlechtesten Wortspiele funktionieren oft am besten. "Das Schöne an dem Format ist: Ich habe gar keinen Anspruch auf Qualität", sagt er lachend.