Häf'n-Arzt trotz Gifttorten-Vorwurf aus Haft entlassen

In Korneuburg (NÖ) laufen Ermittlungen gegen Gefängnisarzt.
In Korneuburg (NÖ) laufen Ermittlungen gegen Gefängnisarzt.Daniel Schreiner, Kosmo - Montage: heute.at
Ein Gefängnisarzt soll mehrere Angestellte einer nö. Justizanstalt vergiftet haben. Jetzt liegt das Gutachten vor, der Verdächtige wurde enthaftet.
  • Joachim Lielacher
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Joachim Lielacher

Aus Frust, enttäuschter Liebe und wegen Mobbings soll ein junger Psychiater mit Medikamenten versetzte Mehlspeisen in eine nö. Justizanstalt gebracht und so Arbeitskollegen vergiftet haben. Ein Arzt musste sogar ins Spital gebracht werden, mehrere Angestellte klagten über Unwohlsein, Müdigkeit und Benommenheit.

Torte als "Aufmerksamkeit"

Der junge Mediziner aus einflussreichem Haus wurde schließlich Mitte Mai festgenommen und in die Justizanstalt Korneuburg in Untersuchungshaft gebracht („Heute“ berichtete). Denn: Er soll zumindest über den Zeitraum von knapp zwei Wochen mehrmals vergiftete Süßspeisen ins Gefängnis als Aufmerksamkeit für die Kollegenschaft gebracht haben. Weiters soll er das Auto eines Mediziners demoliert haben. Dabei wurde der verdächtige Psychiater teilweise sogar von einer Überwachungskamera gefilmt.

Mediziner ist zurechnungsfähig

Die Staatsanwaltschaft Korneuburg gab noch mit Mai zwei Gutachten in Auftrag, welche nun mit Ende Juli vorliegen - das chemische und psychiatrische Gutachten. Laut Gerichtspsychiater ist der verdächtige Mediziner zurechnungsfähig. Über die Medikamentenart in den Mehlspeisen hüllte sich die Staatsanwaltschaft in Schweigen. Es sollen jedoch gängige Medikamente, die in Justizanstalten verwendet werden (Benzos, Neuroleptika z.B.), sein.

Enthaftung mit Weisung

Mit Vorliegen der beiden Gutachten wurde der Arzt noch am Donnerstagnachmittag aus der U-Haft entlassen. Wie berichtet, hätte er ursprünglich bis 8. September sitzen müssen. "Aber die Fluchtgefahr ist nicht mehr gegeben, die Ermittlungen sind abgeschlossen. Der Verdächtige mit Migrationshintergrund ist gut in die Gesellschaft integriert, hat jetzt aber die Weisung erhalten, jeglichen Kontakt zu den mutmaßlichen Opfern zu meiden", sagte der Korneuburger Staatsanwalt Friedrich Köhl am Freitag.

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