"Herr Pfarrer, bitte reden Sie mit meinem Buben"

Seit 50 Jahren geht Hans Gruber in den Linzer Häfn, besucht dort die Gefängnisinsassen, um Ihnen die Beichte abzunehmen. Er ist der Häfnpfarrer von Linz.

Herr Pfarrer, seit 50 Jahren besuchen Sie vor allem in der JVA Linz Häftlinge, haben jetzt auch ein Buch über Ihre Erlebnisse als Häfnpfarrer rausgebracht. Wie kann man sich Ihre Arbeit vorstellen?

Müssen Häftlinge sich für ein Gespräch mit Ihnen anmelden, oder wie läuft das ab?

Jeder Insasse kann um ein Gespräch ansuchen, füllt dazu einen Zettel aus. Es gibt dann einen eigenen Raum, wo man sich zusammensetzt. Ich halte aber auch regelmäßig Messen für die Insassen, die kommen möchten.

Was sind das für Häftlinge, die das Gespräch mit Ihnen suchen?

Vom Brandleger und Zuhälter bis hin zum Mörder ist da alles dabei, die kommen und beichten wollen oder das Gespräch suchen. Manchmal kommt aber auch die Mutter eines Gefangenen auf mich zu und sagt, "reden Sie mit meinem Buben" oder es kommt die Geliebte mit der selben Bitte an mich heran.

Hans Gruber (geb. 1938 in Gaspoltshofen) machte eine Lehre zum Huf- und Wagenschmied, Matura an der Arbeitermittelschule Linz und besuchte anschließend das Priesterseminar. 1966 wurde er zum Priester geweiht. Seit 1968 ist er Gefangenen- und Betriebsseelsorger.

In seinem Buch "Beinahe Lebenslänglich – 50 Jahre 'Häfenpfarrer'" (Wagner Verlag) berichtet er über seine Erlebnisse mit den Insassen.
Gibt's online zu bestellen auf wagnerverlag.at.
Preis: 23 Euro

Ich bin ja schon seit 50 Jahren Pfarrer im Häfn. Umgekehrt gab es da auch früher Situationen wo der Insasse um Kontaktaufnahme mit der Familie gebeten hatte und über mich einen Brief nach draußen schwindeln wollte. Das ist heute natürlich nicht mehr notwendig.

Durch die Gespräche erfährt man sicher auch Dinge, die manch Richter nicht zu hören bekommt. Wie geht man damit um?

Mehr wissen als die Justiz ist kein Problem. Fluchtversuch hat mir zum Beispiel noch keiner einen mitgeteilt. Aber das ich mehr weiß, wie der Richter das war öfter. Da hatte ich nie ein Bedürfnis den Richter darüber aufzuklären.

Und wenn jemand eine Tat gesteht?

Wenn jemand wirklich zur Beichte kommt, dann steht das natürlich unter strengem Geheimnis. Sehr häufig will jemand zur Beichte kommen, erzählt aber dann eigentlich Geschichten aus seinem Leben. Unter eine Beichte fällt das dann nicht.

Gab es einmal eine Situation in der Sie sich im Umgang mit einem Häftling richtig gefürchtet haben?

Nein. Schlichtweg nein. Ich bin 1,80 groß. Das macht schon Eindruck (lacht). Aber mein Chef, Bischof Aichern, wäre in den 80er Jahren in Garsten fast schon einmal gekidnappt worden. Aber mir ist sowas nie passiert.

Was würden Sie sagen, konnten Sie in all den Jahren mit ihrer Arbeit bewirken?

Dass es zwei handvoll von Leuten gibt, von denen ich sagen kann, die stehen auf den Beinen, weil ich da war. Und ok, einen Zuhälter hab ich glücklich verheiratet (lacht). Sonst ist es schwierig zu messen, was ist Erfolg und was nicht.

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