In Haiti ist der Stabschef des Verteidigungsministers, James Boyard, von bewaffneten Männern entführt worden. Es handelt sich um den ranghöchsten Regierungsbeamten, der in den vergangenen Jahren in dem von Gewalt erschütterten Karibikstaat verschleppt wurde.
Boyard, der zugleich als Generalinspektor der haitianischen Polizei tätig ist, wurde am Donnerstag in der Hauptstadt Port-au-Prince entführt. Laut Medienberichten wurden auch seine Ehefrau und die sechsjährige Tochter verschleppt. Die Entführer forderten ein Lösegeld.
Boyard war ein angesehener Sicherheitsexperte und als Stabschef für Verteidigungsminister Mario Andrésol tätig, der erst im März ernannt wurde.
Die Entführung von Regierungsbeamten und Personen mit doppelter Staatsbürgerschaft nimmt laut Experten zuletzt zu. Laut Analyst Diego Da Rin von der International Crisis Group könnten die Täter höhere Lösegelder verlangen oder versuchen, die Behörden von Angriffen auf von Gangs kontrollierte Gebiete abzuhalten.
Nach Angaben der Vereinten Nationen wurden in diesem Jahr bereits mindestens 2.310 Menschen durch Bandenkriminalität getötet, 1.106 verletzt und 99 entführt. Die anhaltende Gewalt hat zu Rekordzahlen bei Vertreibungen geführt – fast 1,5 Millionen Menschen sind aktuell obdachlos.