Am 19. Mai hat das Tribunal Mureș sein Urteil im Fall Emil Gânj verkündet. Dem heute 37-Jährigen wird vorgeworfen, seine frühere Lebensgefährtin Anda Maria Gyurca getötet und ihr Haus im Dorf Miheșu de Câmpie angezündet zu haben. Der Prozess fand in Abwesenheit des Angeklagten statt, da Gânj seit fast einem Jahr auf der Flucht ist und als meistgesuchter Verbrecher Rumäniens gilt.
Die Ermittlungen zeichnen ein Bild wiederholter Gewalt und zahlreicher Justizverfahren gegen Gânj. Bereits kurz nach seiner Volljährigkeit wurde er erstmals wegen sexuellen Missbrauchs einer Minderjährigen verurteilt. Später folgten weitere Delikte, darunter ein gemeinschaftlich begangener Mord, für den er insgesamt über 15 Jahre Haft erhielt, jedoch schon 2020 vorzeitig entlassen wurde.
Wie die Zeitung "Libertatea" berichtet, hat Gânj nach seiner Haftentlassung eine Beziehung mit Anda Maria Gyurca begonnen, die bald von Eifersucht und Gewalt geprägt war. Trotz mehrerer Schutzanordnungen und polizeilichen Maßnahmen gelang es Gânj immer wieder, Kontakt zu Gyurca aufzunehmen und sie zu bedrohen. Die Familie des Opfers wirft der Polizei vor, nicht energisch genug nach Gânj zu suchen und den Fall nicht ausreichend publik gemacht zu haben.
Bereits im Februar 2024 kam es zu ersten gewaltsamen Übergriffen, bei denen Gânj seine Partnerin misshandelte und mit dem Tod bedrohte. Die Polizei verhängte daraufhin ein Kontaktverbot, das Gânj jedoch ignorierte. Auch nach weiteren Vorfällen, unter anderem einer Entführung und Brandstiftung im Februar 2025, konnte er nicht gestoppt werden. Wieder wurde eine Schutzanordnung erlassen, doch Gyurca zog ihre Anzeige später zurück – offenbar in der Hoffnung, Gânj würde sich bessern.
Im Juli 2025 spitzte sich die Lage dramatisch zu: Gyurca ließ ein Tattoo mit dem Namen ihres Peinigers entfernen, postete ein Video auf TikTok und wurde am Morgen des 8. Juli 2025 von Gânj mit einem Beil verfolgt und getötet. Anschließend setzte er das Haus in Brand und verschwand spurlos. Die Tat wurde von Überwachungskameras dokumentiert, die Familie musste die grausamen Szenen teilweise vor Gericht schildern.
Nach dem Mord fand die Polizei Kleidungsstücke und das Tatwerkzeug in der Nähe des Tatorts, doch Gânj blieb weiterhin unauffindbar. Selbst die Veröffentlichung von Fahndungsplakaten wurde von Angehörigen gefordert, aber nur zögerlich umgesetzt. Die Gerichtsmedizin stellte fest, dass Gyurca an den Kopfverletzungen starb, bevor das Feuer ausbrach.
Das Urteil des Tribunals sieht für Gânj lebenslange Haft vor, sollte er gefasst werden. Der Fall hat landesweit Debatten über Opferschutz, Polizeiarbeit und die Wirksamkeit von Schutzanordnungen ausgelöst.