Was als heimliches Treffen mit seiner Freundin begann, endete für einen 16-Jährigen mit Angst, Gewalt und einem Prozess vor Gericht. Der Jugendliche war nachts durchs Fenster zu einer 13-Jährigen geklettert – doch die Familie des Mädchens hielt ihn zunächst für einen Einbrecher.
Als die ältere Schwester den Burschen im Zimmer entdeckte, brach Panik aus. Kurz darauf stürmten die Eltern herbei. Der Teenager, mit dem die jüngere Tochter zu allem Überfluss auch noch entfernt verwandt war, wurde geschlagen, getreten und gewürgt. Statt ihn einfach hinauszuwerfen, hielt die Familie den Jugendlichen laut Gericht rund eineinhalb Stunden fest, wie die "Tiroler Tageszeitung" berichtet.
Besonders schockierend: Der Vater drohte dem 16-Jährigen massiv. "Sei froh, dass wir hier in Österreich sind. Wäre das im Haus in Bosnien passiert, wärst du schon hinter dem Haus vergraben!", soll er gesagt haben. Laut Urteil wurde dem Teenager zudem das Handy abgenommen, er musste sich einem "Verhör" stellen und soll aus Angst sogar eingenässt haben.
Auch die Mutter und die ältere Schwester gingen laut Gericht auf den Jugendlichen los. Beim Verlassen des Hauses sollen weitere Drohungen gefallen sein – unter anderem, ihm die Kehle durchzuschneiden, falls er zur Polizei gehe.
Der Fall landete schließlich vor Gericht – mit schweren Folgen für die Familie. Vater und Tochter erhielten ein Jahr bedingte Haft, die Mutter zehn Monate bedingt. Zusätzlich setzte es Geldstrafen und 500 Euro Schmerzensgeld für den Jugendlichen. Richter Michael Böhler fand klare Worte: Die Reaktion der Familie sei "bei weitem überzogen" gewesen.