Sie prügelten ihn zu Boden, traten immer wieder auf seinen Kopf ein – und hörten nicht auf. Genau so soll eine Jugendbande in Wien über Wochen hinweg vorgegangen sein. Jetzt ist das Urteil gefallen: Drei Angeklagte wurden am Landesgericht Wien zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.
Ein 16-jähriger Rumäne fasste drei Jahre und zehn Monate aus, ein 17-jähriger Komplize bekam drei Jahre Haft. Ein weiterer Angeklagter, ein 16-jähriger Syrer, wurde zu zwei Jahren verurteilt. Den Vorwurf des versuchten Mordes sah das Gericht nicht als erfüllt an – es blieb bei schwerer Körperverletzung – berichtet der ORF.
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Zwischen Juni und August 2025 soll die Bande rund um den Westbahnhof gezielt auf Schwächere losgegangen sein. Laut Anklage suchten die Jugendlichen ihre Opfer bewusst an Orten, an denen sich Wohnungslose und Suchtkranke aufhalten. Die Angriffe folgten dabei oft einem ähnlichen Muster: Die Opfer wurden attackiert, geschlagen, getreten und teilweise auch beraubt.
In mehreren Fällen bezeichneten die Täter ihre Opfer als Pädophile und griffen sie an – laut Staatsanwaltschaft völlig ohne Grundlage. Für die Ermittler ist klar: Es ging nicht um Aufklärung, sondern um Gewalt, Demütigung und Selbstjustiz.
Eine zentrale Rolle im Prozess spielte eine besonders brutale Tat im Vogelweidpark in Rudolfsheim-Fünfhaus am 20. August 2025. Mehrere Mitglieder der Bande gingen auf einen 18-Jährigen los – ausgelöst durch einen Streit um ein Mädchen.
Das Opfer wurde zu Boden geprügelt und danach mehrfach mit voller Wucht gegen Kopf und Gesicht getreten. Ein weiterer Angeklagter würgte den 18-Jährigen so heftig, dass er das Bewusstsein verlor. Laut Gerichtsmediziner war jeder einzelne Tritt lebensgefährlich. Die Staatsanwaltschaft sprach von einem Mordversuch - das Gericht folgte dem nicht.
Die Täter filmten ihre Angriffe selbst und verbreiteten die Videos. Zusätzlich wurden im Prozess Sprachnachrichten abgespielt, in denen sich der Hauptangeklagte mit der Tat brüstete. "Ich hab’ ihn fast umgebracht. Er hat keine Luft mehr bekommen. Er hat Blut gespuckt", ist darin zu hören. In einer weiteren Nachricht spricht er von gebrochener Nase und Kiefer.
Im Gericht gaben sich die Jugendlichen deutlich zurückhaltender. Der Hauptangeklagte sagte, er habe niemanden töten wollen und nur mit Verletzungen gerechnet. Ein Mitangeklagter erklärte, er habe "nur gewürgt" und nicht mit dem Tod des Opfers gerechnet. Ein anderer sagte offen, er habe mitgemacht, um sich zu beweisen und nicht als "Schwächling" zu gelten.
Die Bande bestand aus insgesamt acht Burschen und einem 15-jährigen Mädchen. Vier Angeklagte waren bereits zuvor zu bedingten, zwei zu teilbedingten Haftstrafen verurteilt worden.
Mit den Urteilen gegen die drei Hauptangeklagten ist der Prozess nun abgeschlossen. Viele Opfer konnten bis heute nicht ausgeforscht werden – auch weil sich gerade Wohnungslose und Suchtkranke oft nicht an die Polizei wenden.