"Sie sagen bei jeder Gelegenheit etwas anderes!": Drei Jugendliche brachten den Richter am Landl Dienstag (10.2.) fast zur Verzweiflung. Zwei Mädchen aus Syrien und Rumänien (beide 15 Jahre) und ein junger Syrer (17) sollen am 19. September 2025 im Streit einen Mann (37) auf einem Grünstreifen am Gürtel beim Westbahnhof niedergestochen haben – Mordversuch lautete der schwere Vorwurf, der nun vor dem Schwurgericht verhandelt wurde. Die Teenager gehörten zur Drogenszene, die sich regelmäßig am Grünstreifen zwischen den Fahrbahnen am Gürtel beim Westbahnhof trifft, werden von der MA11 betreut.
Das spätere Opfer soll die Jugendlichen provoziert haben. Ein Streit war die Folge – der Drittangeklagte, ein 17-jähriger Syrer, soll dabei von seinem 37-jährigen Kontrahenten einen Schlag ins Gesicht bekommen haben. In Rage sei er in die Wohnung der erstangeklagten Syrerin (15), seiner Ex-Freudin, gelaufen, um ein langes Brotmesser zu holen. Diese wurde selbst von dem 37-Jährigen mit einem Gürtel attackiert. "Es war ein Durcheinander, jeder hat geschrien", so die 15-Jährige. "Ich habe an dem Tag Ecstasy genommen."
Zurück im Park sprang das Opfer angeblich auf einen Tisch. Die beiden Mädchen sollen auf die Beine des Mannes eingestochen haben. Als er flüchten wollte, kam es zu einem Gerangel in der Wiese – sieben Mal wurde auf den 37-Jährigen eingestochen. "Er konnte Stiche mit der Hand abwehren", führte die Staatsanwältin aus. "Er erlitt einen Blutschock. Wäre die Rettung nicht so schnell gekommen, wäre es lebensgefährlich gewesen."
Die beiden Mädchen bestritten die Vorwürfe. Die zweitangeklagte Rumänin bekannte sich "nicht schuldig", will die Tat nur aus der Ferne beobachtet haben. Sie habe verhindern wollen, dass ihre erstangeklagte Freundin zusticht. "Ich wollte ihr nur das Messer abnehmen."
Der Richter schüttelte bei ihrer Aussage ungläubig den Kopf. "Wann ist Ihnen diese schöne Geschichte eingefallen? Sie erzählen bei jeder Gelegenheit etwas anderes." "Ich habe in der Einvernahme gelogen, weil ich unter Drogen stand", so die 15-jährige Rumänin – vertreten von Top-Anwältin Clara Abpurg. Das blutige Messer sei ihr in die Hand gedrückt worden, zugestochen habe sie aber nicht.
Auch die erstangeklagte Syrerin tischte zum wiederholten Mal eine andere Version der Geschichte auf. "Es gibt keine Klarheit in dem Verfahren", so der Star-Verteidiger des Drittangeklagten, Florian Kreiner. "Nicht bei dem Opfer, den Zeugen und den Angeklagten." Nach dem blutigen Vorfall rannten die Jugendlichen davon, sie sitzen seit Oktober in U-Haft.
Probleme verzögerten den Prozess am Wiener Landl. Zum wiederholten Mal waren zu wenige Sitzplätze für die Zuhörer vorhanden. Zeugen erschienen nicht zur Verhandlung, sie müssen nun polizeilich vorgeführt werden. Das Opfer sitzt in Eisenstadt in Haft, konnte nicht einvernommen werden. Für die Vorführung von zwei Zeugen aus der Justizanstalt Josefstadt mussten zuerst Beamte organisiert werden. Mittwoch (11.2.) soll ein Urteil fallen – die Unschuldsvermutung gilt.