Dramatische Szenen auf dem Weg zum Großglockner: An einer engen und ausgesetzten Stelle des Mürztalersteigs kam es zu einem Streit zwischen einem heimischen Bergführer und polnischen Bergsteigern. Die Auseinandersetzung wurde schließlich handgreiflich.
Auslöser soll ein riskantes Überholmanöver gewesen sein. Der Bergführer war mit seiner Gruppe unterwegs und überholte die polnischen Bergsteiger. Was danach passierte, ist auf einem Video festgehalten. Darauf ist zu sehen, wie der Bergführer einen der Männer körperlich attackiert.
Der Vorfall hat nun auch die Polizei auf den Plan gerufen. Nach einer Anzeige ermittelt die Polizeiinspektion Matrei in Osttirol. Der stellvertretende Postenkommandant Anton Raffler bestätigt gegenüber dem ORF: "Es werden Ermittlungen wegen Gefährdung der körperliche Sicherheit geführt."
Der Bergführerverein Kals reagierte bereits auf die Vorwürfe. In einer ersten Stellungnahme wird der Vorfall bedauert und als "inakzeptables Verhalten" bezeichnet.
Bei dem Mann handle es sich demnach nicht um ein Mitglied der Kalser Bergführer. Die Tour war allerdings über das Bergführerbüro vermittelt worden. Für die Tour wurde ein privater Bergführer beauftragt. Die Zusammenarbeit mit diesem wurde inzwischen beendet. "Ein solches Fehlverhalten ist für uns inakzeptabel und widerspricht den Werten, für die der Kalser Berg- und Schiführerverein steht", heißt es.
Auch der österreichische Verband der Berg- und Skiführer nahm Stellung. Das Überholen einer langsameren Seilschaft durch eine schnellere sei grundsätzlich üblich. Gleichzeitig distanziert sich der Verband deutlich vom Verhalten des Bergführers.
"Dass eine schnellere Seilschaft andere Bergsteiger überholt, ist gelebte Praxis. Wir distanzieren uns allerdings klar von einem solchen Auftreten des Bergführers wie im Video gezeigt und der Art und Weise, wie der Bergführer hier kommuniziert".
Gleichzeitig betont der Verband, dass sich die Situation anhand einzelner Ausschnitte nicht vollständig beurteilen lasse. Der Fall soll deshalb genau geprüft werden. Auch disziplinarrechtliche Maßnahmen gegen den Bergführer sind möglich.