Auf 2950 Metern Höhe am Sulztalferner machte der Neustifter Bergführer Marco Span am 17. Juli zwischen Längenfeld und Neustift im Stubai eine ungewöhnliche Entdeckung. Er fand einen Rucksack, um den herum Ausrüstung lag, die wohl aus den 1950er- oder 1960er-Jahren stammen musste. Darunter befanden sich auch ein alter Fotoapparat und ein Eispickel.
Schnell hatte der erfahrene Alpinist einen schrecklichen Verdacht und hielt Nachschau, ob der Gletscher neben den Utensilien auch eine Leiche freigegeben hatte. Wie die "Krone" berichtet, sollte sich diese Vermutung glücklicherweise nicht bewahrheiten.
Anschließend brachte der Bergführer die Fundstücke zum Posten der Polizei in Neustift und trat damit die Suche nach dem Besitzer los. Alpinpolizist Gregor Gatt nahm sich dem Fall an und entdeckte im Rucksack eine Dokumentenmappe. Auf einem Zettel fand sich schließlich der kaum lesbare Name Alfred Rothfischer. Zudem wiesen Auszahlungsbelege einer bayrischen Bank auf die Herkunft des Besitzers hin.
Zunächst durchforstete der Polizist die Chronik nach einer vermissten Person mit diesem Namen – negativ. Also gab der Beamte den Namen in einer Suchmaschine ein und fand eine passende Festnetznummer aus Bayern. Als er sich bei dieser meldete, hob eine ältere Dame ab.
Bei ihr handelte es sich um Waltraud Rothfischer aus Wörth an der Donau. Der Polizist fragte sie, ob ihr Mann vielleicht einen Rucksack in Tirol vermisse. Die Frau antwortete mit "Ja" während sich ihr Gatte (86), der neben ihr saß, wohl 63 Jahre in die Vergangenheit zurückgesetzt fühlte.
Es war das Jahr 1963: Rothfischer war damals 23 Jahre alt und mit zwei Freunden in den Stubaier Alpen unterwegs. Sie erklommen den Gipfel des Schrankogels und schliefen in der Amberger Hütte. Am 3. August wollten sie dann über den Sulztalferner zur Dresdner Hütte gelangen.
Rothfischer übernahm dabei die Führung, stürzte aber ab und hing in rund acht Metern Tiefe über dem Abgrund. Da der damals junge Mann jedoch bereits in Rettungstechniken bewandert war, versuchte er sich mit Prusikschlingen wieder aus der Gletscherspalte zu retten. Der Rucksack sei dafür jedoch zu schwer gewesen, weshalb der Bayer ihn fallen ließ.
Am Ende kam Rothfischer mit leichten Verletzungen und einem verlorenen Rucksack davon. Den Verlust zeigte der Mann damals bei der Polizei an, da sich seine Dokumente für die Heimreise nach Deutschland in dem Rucksack befanden.
Nun dürfte Rothfischer wieder mit seinen Gegenständen aus vergangenen Tagen vereint sein. Da er inzwischen gesundheitlich leicht beeinträchtigt sei und ihm die Reise nach Neustift nicht möglich war, holte sein Sohn Andreas Rothfischer den Rucksack seines Vaters am Dienstag ab. Dafür reiste der Mann mit seiner Familie an. Die Freude aller Beteiligten sei groß gewesen, hieß es in dem Bericht.