Handel tobt: Lockdown "kann nicht richtiger Weg sein"

Eine Person mit ihrem Einkauf aufgenommen am Graben in der Wiener Innenstadt. Symbolbild
Eine Person mit ihrem Einkauf aufgenommen am Graben in der Wiener Innenstadt. SymbolbildHELMUT FOHRINGER / APA / picturedesk.com
Die Verlängerung des harten Lockdowns in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland bis zum 18. April ist fix. Der Handel ist verzweifelt.

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hat heute eine Verlängerung des harten Lockdowns in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland verkündet. Der Handelsverband ist außer sich: "Damit müssen mehr als 10.000 betroffenen stationäre Händler in der Ostregion ihre Geschäfte weiterhin geschlossen halten und Umsatzverluste von rund 420 Millionen Euro pro Woche in Kauf nehmen. Tausende Arbeitsplätze sind akut gefährdet".

Geschäftsführer Rainer Will ist klagt an: "Aus unserer Sicht ist die heutige Entscheidung, Wien, Niederösterreich und das Burgenland im vierten Dauerlockdown zu halten, kaum noch argumentierbar."

Mit jeder weiteren Einschränkung des öffentlichen Raums würde die Regierung das Ansteckungsgeschehen noch stärker ins Private – wo man eben nicht kontrollieren kann – verlegen. Laut den AGES-Clusteranalysen sollen bereits 70 Prozent aller Corona-Infektionen im Privatbereich und weitere 15 Prozent in der Freizeit stattfinden.

"Den Handel, der kein Corona-Hotspot ist, zuzusperren, nur um die Mobilität der Menschen zu reduzieren – das ist nicht verhältnismäßig und das kann nicht der richtige Weg sein", so Handelsverband.

Lockdown nutzt sich ab

Auch ein Blick nach Deutschland zeige, dass dort die Corona-Fallzahlen trotz wochenlangem Dauerlockdown weiter steigen. Und, so argumentiert der Handelsverband, der Lockdown nutze sich ab und verliere mit jedem Tag an Wirkung. 

Eine Studie des Complexity Science Hub Vienna (CSH) u.a. von Peter Klimek zeigt: Während des ersten harten Lockdowns im März 2020 gab es in Österreich noch einen reduzierten Bewegungsradius um 57 bis 80 Prozent, im zweiten Lockdown waren es zwischen 33 und 50 Prozent und im dritten Lockdown nur noch zwischen 12 und 42 Prozent. Im vierten Lockdown könnte diese Rate sogar weiter sinken.

"Wir sehen bereits seit Monaten, dass Teile der Bevölkerung nach mehr als einem Jahr Corona-Krise nicht mehr bereit sind, Ausgangssperren oder Kontaktverbote hinzunehmen", sagt Will.

"Impf-Turbo" zünden

Jeder zusätzliche Lockdown-Tag verschlimmere deshalb die Lage der betroffenen Handelsbetriebe. Der Handelsverband fordert daher ein zusätzliches Set an Corona-Hilfen, etwa eine Ausweitung des Kurzarbeitsbonus pro Mitarbeiter für die Händler im Osten, sowie eine Erhöhung des Ausfallsbonus.

"Darüber hinaus müssen wir endlich den Impf-Turbo einlegen. Allen, die sich impfen lassen wollen, muss so schnell wie möglich auch eine entsprechende Möglichkeit geboten werden", ergänzt der Handelssprecher. Er will filialisierte Händler eigene Impfstraßen betreiben lassen.

Gegen Eintrittstests

Und auch die immer noch drohenden Zutrittstests stoßen dem Handelsverband sauer auf: "Zutrittstests in den Geschäften würden kaum etwas an den Corona-Fallzahlen ändern, aber bis zu zwei Drittel aller Umsätze im Handel vernichten. [...] Diese sinnlose Maßnahme würde tausende Unternehmen in ihrer Existenz gefährden und zehntausende Arbeitsplätze kosten", so Rainer Will abschließend.

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