Hätte 200-Euro-Piepser Lawinen-Tote verhindert?

Jene fünf Todesopfer, die am Dachstein unter einer Lawine verschüttet wurden, hatten keinen "Lawinen-Piepser" dabei. Genau ein solcher hätte ihnen aber womöglich das Leben gerettet.

Bis zu 18 Minuten können Verschüttete unter einer Lawine überleben. Danach setzt die Erstickungsnot ein, weiß Bergretter Michael Gruber.

Er war am Sonntag mit der Flugpolizei im Einsatz, half mit, jene fünf Tschechen vom Dachstein zu bergen, die unter einer Lawine (200 Meter breit und 400 lang) verschüttet wurden.

Die Gruppe dürfte das Schneebrett selbst ausgelöst haben.

Keiner der Schneeschuhwanderer (im Alter zwischen 27 und 46 Jahre) überlebte. Wir berichteten. Die Rettungskette hatte im Grunde gut funktioniert.

Zeugen, die den Lawinenabgang um 9.17 Uhr beobachtet hatten, riefen die Einsatzkräfte. Die ersten Helfer waren gegen 9.40 Uhr vor Ort, gruben nach den Verschütteten.

Gruber und sein Team waren zum Zeitpunkt des Unglücks bereits ganz in der Nähe – im Bereich der Simonyhütte war Samstag ein anderes Schneebrett abgegangen, Gruber sollte dort Erhebungen machen.

Nichts geht ohne Notfallsausrüstung

Trotzdem kam für die Gruppe, die rund 1 Meter unter den Schneemassen begraben lag, jede Hilfe zu spät. Drei der Wanderer konnten von Suchhunden aufgespürt werden, zwei wurden noch reanimiert, allerdings ohne Erfolg. Auch sie konnten nur mehr tot vom Berg gebracht werden.

Bereits am Sonntag war klar: keiner der fünf hatte ein Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS) dabei. Hätte das Gerät den Wanderern das Leben retten können? "So etwas zu beantworten ist immer schwierig. Fakt ist, bei Touren sollte man immer eine Notfallsausrüstung also ein LVS-Gerät, eine Sonde und eine Schaufel mithaben. Wenn auch nur eines davon fehlt, erschwert das immer die Rettung und kostet viel Zeit", so Gruber.

Fakt ist auch: Der Alpenverein Österreich zeigt auf seiner Homepage den Zeitverlust bei der Verschüttetensuche, wenn Schaufel oder Sonde fehlen. Sind LVS-Gerät, Schaufel und Sonde vorhanden, dann können Verschüttete in rund 11 Minuten geborgen werden – hier besteht noch eine Überlebenschance.

Mit LVS-Gerät und Schaufel dauert die Bergung rund 25 Minuten. Allein nur mit LVS-Gerät (Schaufel und Sonde fehlen) kann die Bergung mindestens eine Stunde dauern.

Wanderer bei -9 Grad unter Schneemassen begraben

Ein LVS-Gerät bekommt man online bereits unter 200 Euro. Die Reichweite bei den neuesten Geräten liegt bei bis zu 60 Metern. Eine Notfallsausrüstung kann man sich auch beim Sportartikelhändler vor Ort ausborgen.

"Was das Unglück am Sonntag betrifft: da kamen erschwerend die Wetterbedingungen hinzu", erklärt Gruber.

In dem Gebiet hatte es in den vergangenen Tagen starken Wind und Schneefall gegeben. Im Hochgebirge am Dachstein herrschte am Sonntag erhebliche Lawinengefahr (Warnstufe 3).

Die Gruppe wollte von der Seethalerhütte aus aufbrechen wo sie die Nacht zuvor übernachtet hatte, ignorierte aber die Warnung des Hüttenwirts. "Die Wanderer wurden bei -9 Grad quasi einbetoniert – viele Opfer beschreiben das zumindest so", sagt Gruber.

"Viele unterschätzen einfach die Gefahr oder sind zu unerfahren. Dazu kommt oft auch eine fehlerhafte Tourenplanung. Bei all dem einfach essenziell ist die Sicherheitsausrüstung. Die ist einfach Standard, ähnlich wie der Sicherheitsgurt im Auto."

Infos zur Notfallsausrüstung gibt's auf der Homepage des Alpenvereins bzw. >>Hier klicken.

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