Strache zweifelt unseren Einfluss auf das Klima an

Interview mit Heinz-Christian Strache in seinem Büro. Archivbild: Wien, am 12.10.2018.
Interview mit Heinz-Christian Strache in seinem Büro. Archivbild: Wien, am 12.10.2018.Bild: picturedesk.com
Vizekanzler Strache sorgt mit seinen Aussagen in einem Interview für Aufregung: Er stellt den Einfluss der Menschheit auf den Klimawandel in Frage.
Mit einem am Donnerstagabend veröffentlichten Interview im "Standard" fing sich Vizekanzler und FPÖ-Parteichef Heinz-Christian Strache umgehend heftige Kritik ein: "Wer Klimawandel leugnet, gefährdet Österreichs Bevölkerung", wetterte SPÖ-Bundesgeschäftsführer Thomas Drozda.

Aber was hat Strache eigentlich gesagt? Wir haben die wichtigsten Aussagen aus dem Interview für Sie zusammengefasst:

1Zu Soros' "Wander-Uni"



CommentCreated with Sketch. zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Die Übersiedlung der von US-Milliardär George Soros gegründeten Central European University (CEU) von Budapest nach Wien stößt den Freiheitlichen sauer auf. Strache verteidigt im Interview die früheren Aussagen seines Parteikollegen Johann Gudenus, wonach Soros "gezielt Migrantenströme nach Europa" lenken würde: Soros sei bekannt dafür, "die Migration zu unterstützen, und das muss man nicht gutheißen", so Strache.

Auch den Vorwurf, dass er mit dem Begriff "Wanderuniversität" gezielt Parallelen zum antisemitisch gebrauchten Begriff "Wanderjude" heraufbeschwören würde, weist Strache vehement zurück. Das sei eine "an den Haaren herbeigezogene Unterstellungen". Soros' Einrichtung sei aber eine "Briefkastenuniversität" ohne "Referenzstandort".

2Zum Klimawandel



Beim Umweltthema gibt sich der Vizekanzler zunächst patriotisch: "Umweltschutz ist Heimatschutz!", stellt Strache klar und verweist auf das jüngst im Ministerrat beschlossene Plastiksackerl-Verbot – wofür die Regierung auch von Arnold Schwarzenegger Lob einheimste.

Als aber die Frage nach Maßnahmen gegen den Klimawandel aufkommt, lässt Strache mit seinen Ansichten aufhorchen. Obwohl Experten rund um den Globus, unter anderem der Weltklimarat IPCC, den Einfluss der Menschen auf die Erderwärmung als gesichert ansehen, stellt Strache diesen in Frage.

"Auch die Wissenschaft weiß nicht, wohin wir uns entwickeln."


Klimaveränderungen habe es schon seit Jahrtausenden gegeben, führt der FPÖ-Chef aus: "Das hat mit vielen Faktoren zu tun, aber sicher nicht mit Fabriken oder sonstigen Entwicklungen, die es damals gar nicht gab. [...] Auch die Wissenschaft weiß nicht, wohin wir uns entwickeln."

Darauf hingewiesen, dass das nicht stimme und unser CO2-Ausstoß sehr wohl die Hauptursache des momentanen Temperaturanstiegs sei, reagiert Strache abwehrend: "Alles, was mit Treibhausgasen zu tun hat, wollen wir reduzieren."

3Zur Wiener Bürgermeisterwahl



"Ich bin in die Rolle des Vizekanzlers gewählt worden und will am Ende der Legislaturperiode dafür von der Bevölkerung bestätigt werden", erklärt Strache auf die Frage, ob er die Regierung verlassen würde, um Bürgermeister von Wien zu werden.

Allerdings: Österreichs Hauptstadt wählt das nächste Mal 2020, zwei Jahre bevor die Wähler (planmäßig) mit der Arbeit der Bundesregierung abrechnen werden. Aber, so der Vizekanzler:

"Man soll nie etwas ausschließen."


4Zur Zukunft der EU



Bei der anstehenden EU-Wahl will die FPÖ trotz Regierungskoalition mit der ÖVP weiterhin ihren traditionell EU-kritischen Kurs fahren. "Der Erfolgsweg der Freiheitlichen Partei ist durch Kontinuität und Verlässlichkeit geprägt", so der Parteichef im Interview. Den Koalitionsfrieden sieht er nicht gefährdet. Erstens würden bei dieser Wahl nicht die Regierungsmitglieder gegeneinander antreten und zweitens sei es wichtig, "die Unterschiede zwischen FPÖ und ÖVP sichtbar herauszuarbeiten". Nachsatz: "Schade ist nur, dass der Christian Kern nicht kandidiert."

Für den Fortbestand der EU sei es essentiell aus dem Brexit Lehren zu ziehen: Die "moralische Überhöhung mancher" müsse enden, und der Außengrenzschutz sichergestellt werden. "Dann könnten auch die Bürger wieder Vertrauen in die Europäische Union gewinnen", argumentiert Strache abschließend. (red)

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