"Heute" unterwegs mit den Grätzlpolizisten in Neubau

Revierinspektor Bernd Buchegger nahm "Heute" auf eine Runde durch seinen Bezirk mit und sprach über seinen Alltag als Grätzlpolizist in Wien-Neubau.

Das Innenministerium startete 2017 die Initiative "Gemeinsam sicher" um die Kommunikation zwischen der Bevölkerung und der Polizei zu stärken. Vor einigen Wochen unterstützte Innenminister Karl Nehammer den Neustart der Initiative und betonte, dass das Gebot der Stunde laute, gemeinsam sicher aus der Corona-Krise zu kommen.

Die sogenannten Grätzlpolizisten sind speziell darauf geschult in Gesprächen auf die Probleme der Bevölkerung einzugehen und diese zu lösen. Egal ob es sich um Konflikte mit Nachbarn, oder mit dem Wirten im Erdgeschoss handelt – der Grätzlpolizist nimmt sich für jedes Anliegen Zeit. 

"Heute"besuchte Revierinspektor Bernd Buchegger und Bezirksinspektor Stefan Sollhart in der Stiftgasse. Die beiden Polizisten haben für die Anrainer in Neubau ein offenes Ohr und sprachen über ihren Alltag im Grätzl. Buchegger ist seit April 2020 als Sicherheitsbeauftragter im Einsatz. Er selbst ist aus dem täglichen Streifendienst befreit und kann sich so auf die täglichen Herausforderungen der Menschen fokussieren.

"Als Grätzlpolizist ist die Kommunikation und der Austauch mit den Leuten besonders wichtig. Wir betreuen Tag für Tag unsere Sicherheitspartner und wo es Probleme gibt, suchen wir gemeinsam nach einer Lösung", so Buchegger im "Heute"-Talk. 

Was sind eigentlich Sicherheitspartner?

Prinzipiell kann jeder Bürger als Sicherheitspartner fungieren. Revierinspektor Sollhart erklärt gegenüber "Heute", dass es sich hier meistens um Lokalchefs, Trafikanten oder sonstige Gewerbetreibende handelt. Diese Partner werden regelmäßig vom Grätzlpolizisten betreut.

"Wir haben alle ein freundschaftliches Verhältnis miteinander. Man grüßt sich auf der Straße, plaudert miteinander und wird so auf mögliche Schwierigkeiten aufmerksam. Auf meinen täglichen Runden im Bezirk kommen schon 15.000 bis 20.000 Schritte zusammen", lacht Buchegger. 

Die häufigsten Probleme im Alltag?

Vor allem Lärmerregungen sind laut Bezirksinspektor Sollhart ein Thema. Aber auch in den öffentlichen Verkehrsmitteln, im Obdachlosen-Milieu, die Nichteinhaltung der Nachtruhe und diverse Vermüllungen werden häufig von den Anrainern angesprochen. "Wir sind da, um die richtigen Stellen zu kontaktieren und eine Vernetzung herzustellen", sagt Sollhart. "Bei den Großbaustellen Leiner und der U2 beschweren sich einige, dass die Gehsteigbreiten nicht eingehalten werden. Da suchen wird dann nach Lösungen", stellt Buchegger klar. 

Was tun, wenn der Nachbar ständig laut ist und Partys feiert?

Grätzlpolizist Buchegger erzählt, dass diese Problematik relativ häufig vorkommt, was wiederum auch zu Streitigkeiten unter den Anrainern führen kann: "Oft kennen sich die Leute untereinander gar nicht mehr. Ich höre mir dann unabhängig voneinander die Geschichten der beiden Parteien an und suche in weiterer Folge das Gespräch mit ihnen. Und man glaubt es kaum: Genau diese Mediationsgespräche lösen viele der Probleme. So stellen wir gleichzeitig wieder eine Verbindung zwischen den Menschen her." 

Gibt es Leute, die mit der Polizei nicht reden wollen?

Generell werde die Initiative "Gemeinsam sicher" sehr gut angenommen. In seltenen Fällen komme es aber vor, dass jemand schlichtweg ein Gespräch ablehnt. Buchegger erklärt, dass das Angebot letztendlich auf freiwilliger Basis aufbaut: "Wenn jemand gar nicht mit uns reden will, nimmt das zur Kenntnis." 

Neue Probleme mit der Corona-Krise?

Großes Thema für die Beamten war naturgemäß die vieldiskutierte Maskenpflicht. "Wir haben die Leute sensibilisiert und über die Lage aufgeklärt. Die meisten haben das auch verstanden. In der Corona-Krise waren wir also auch auf der Straße unterwegs, um über die geltenden Corona-Verordnungen zu informieren", sagt Sicherheitskoordinator Sollhart im "Heute"-Gespräch. 

Wie gehen die Menschen mit der Gastro-Öffnung um?

Grätzlpolizist Buchegger stellt fest, dass es anfangs durchaus Startschwierigkeiten mit der Einhaltung der Sperrstunden gab.  "Am Tag darauf habe die Gespräche gesucht und mit einigen Abmahnungen die Lage sehr gut in den Griff bekommen können. Die Sperrstunden werden jetzt zum großen Teil problemlos eingehalten." 

Was tun, wenn das Pärchen in der Nachbarschaft ständig streitet?

"Es ist ganz klar, dass man bei Gefahrensituationen, bei denen jemand um Hilfe ruft, sofort den Polizeinotruf 133 wählen sollte. Die Kollegen können dann innerhalb weniger Minuten einschreiten", sagt Bezirksinspektor Sollhart. 

"Falls man aber mitbekommt, dass es hin und wieder zu Streitigkeiten kommt, allerdings niemand akut in Gefahr ist, kann man durchaus auch den Grätzlpolizisten verständigen. Der nimmt sich dann die Zeit, spricht mit den betroffenen Personen und macht sich ein Lagebild vor Ort", fügt Buchegger hinzu. 

Schönstes Erlebnis als Grätzlpolizist?

"Ein Sicherheitspartner sagte letztens zu mir: 'He, ich hab gar ned gewusst, dass ihr so leiwand seids. Ich sehe immer nur die Uniform, aber ihr seids auch Menschen.'  Sowas tut einem persönlich gut. Wir sind greifbar, normale Menschen. Viele glauben das heutzutage gar nicht mehr", erzählt Revierinspektor Buchegger. 

Am Ende des Tages zählt für die beiden Polizisten aus Neubau vor allem eines, dass es den Leuten in ihrem Grätzl durch ihren Einsatz ein Stückchen besser geht.

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