Ab wann ist man eigentlich "alt"? Diese Frage beantworten Menschen heute anders als noch vor einigen Jahrzehnten. Eine neue Studie der American Psychological Association zeigt: Erwachsene mittleren und höheren Alters verschieben den Beginn des Alters zunehmend nach hinten – auch wenn sich dieser Trend zuletzt verlangsamt hat.
"Gesundheit und Lebenserwartung haben sich verbessert", erklärt Studienautor Dr. Markus Wettstein von der Humboldt-Universität zu Berlin. Dadurch würden Menschen, die früher als alt galten, heute oft nicht mehr so wahrgenommen.
Für die Untersuchung wurden Daten von mehr als 14.000 Teilnehmenden der Deutschen Altersstudie ausgewertet. Über einen Zeitraum von 25 Jahren (1996 bis 2021) beantworteten Menschen im Alter von 40 bis 100 Jahren wiederholt Fragen – darunter auch: "Ab welchem Alter würden Sie jemanden als alt bezeichnen?"
Das Ergebnis: Jüngere Generationen setzen den Beginn des Alters später an als frühere. Während Menschen des Jahrgangs 1911 im Alter von 65 Jahren angaben, dass "alt sein" bei etwa 71 Jahren beginnt, lag dieser Wert bei 1956 Geborenen bereits bei durchschnittlich 74 Jahren.
Doch der Trend ist nicht unbegrenzt. Laut Wettstein hat sich die Verschiebung in den letzten Jahren verlangsamt: "Der Trend ist nicht linear und muss sich in Zukunft nicht unbedingt fortsetzen."
Interessant: Auch individuell verschiebt sich die Wahrnehmung. Je älter Menschen werden, desto später setzen sie den Beginn des Alters an. So sahen 64-Jährige die Grenze im Schnitt bei 74,7 Jahren – zehn Jahre später lag sie bei denselben Personen bereits bei 76,8 Jahren.
Im Durchschnitt verschob sich die persönliche Einschätzung um etwa ein Jahr – und zwar pro vier bis fünf Jahre tatsächlichen Alterns.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die eigene Wahrnehmung durchaus Auswirkungen haben kann. Studien zeigen: Wer glaubt, dass das Alter später beginnt, ist oft gesünder und hat ein geringeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Das könnte daran liegen, dass eine positivere Einstellung zum Älterwerden zu einem gesünderen Lebensstil motiviert – und weniger von negativen Altersstereotypen geprägt ist.
Mit steigender Lebenserwartung verändert sich auch unser Bild vom Altern. Die Grenze verschiebt sich – gesellschaftlich und individuell. Dennoch bleibt klar: Biologische Veränderungen lassen sich nicht wegdenken. Experten raten daher, den Fokus weniger auf eine konkrete Alterszahl zu legen – und stattdessen auf ein gesundes, aktives Leben in jeder Lebensphase.