Grenzverschiebung

Heute wirst du später alt als früher – aus diesem Grund

Neue Daten zeigen: Die Grenze zum "Altsein" verschiebt sich immer weiter nach hinten – und das hat gute Gründe.
Heute Life
13.04.2026, 18:47
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben

Ab wann ist man eigentlich "alt"? Diese Frage beantworten Menschen heute anders als noch vor einigen Jahrzehnten. Eine neue Studie der American Psychological Association zeigt: Erwachsene mittleren und höheren Alters verschieben den Beginn des Alters zunehmend nach hinten – auch wenn sich dieser Trend zuletzt verlangsamt hat.

Alter ist heute eine Frage der Perspektive

"Gesundheit und Lebenserwartung haben sich verbessert", erklärt Studienautor Dr. Markus Wettstein von der Humboldt-Universität zu Berlin. Dadurch würden Menschen, die früher als alt galten, heute oft nicht mehr so wahrgenommen.

Für die Untersuchung wurden Daten von mehr als 14.000 Teilnehmenden der Deutschen Altersstudie ausgewertet. Über einen Zeitraum von 25 Jahren (1996 bis 2021) beantworteten Menschen im Alter von 40 bis 100 Jahren wiederholt Fragen – darunter auch: "Ab welchem Alter würden Sie jemanden als alt bezeichnen?"

Jede Generation verschiebt die Grenze

Das Ergebnis: Jüngere Generationen setzen den Beginn des Alters später an als frühere. Während Menschen des Jahrgangs 1911 im Alter von 65 Jahren angaben, dass "alt sein" bei etwa 71 Jahren beginnt, lag dieser Wert bei 1956 Geborenen bereits bei durchschnittlich 74 Jahren.

Doch der Trend ist nicht unbegrenzt. Laut Wettstein hat sich die Verschiebung in den letzten Jahren verlangsamt: "Der Trend ist nicht linear und muss sich in Zukunft nicht unbedingt fortsetzen."

Mit dem eigenen Alter wächst auch die Grenze

Interessant: Auch individuell verschiebt sich die Wahrnehmung. Je älter Menschen werden, desto später setzen sie den Beginn des Alters an. So sahen 64-Jährige die Grenze im Schnitt bei 74,7 Jahren – zehn Jahre später lag sie bei denselben Personen bereits bei 76,8 Jahren.

Im Durchschnitt verschob sich die persönliche Einschätzung um etwa ein Jahr – und zwar pro vier bis fünf Jahre tatsächlichen Alterns.

Frauen und Gesundheit spielen eine Rolle

Die Studie zeigt außerdem Unterschiede zwischen verschiedenen Gruppen:

  • Frauen nannten den Beginn des Alters im Schnitt zwei Jahre später als Männer.
  • Menschen mit schlechterer Gesundheit, stärkerem Einsamkeitsempfinden oder einem "älteren" Selbstgefühl sahen das Alter früher beginnen.

Hat unsere Einstellung Einfluss auf die Gesundheit?

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die eigene Wahrnehmung durchaus Auswirkungen haben kann. Studien zeigen: Wer glaubt, dass das Alter später beginnt, ist oft gesünder und hat ein geringeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Das könnte daran liegen, dass eine positivere Einstellung zum Älterwerden zu einem gesünderen Lebensstil motiviert – und weniger von negativen Altersstereotypen geprägt ist.

Alter ist mehr als nur eine Zahl

Mit steigender Lebenserwartung verändert sich auch unser Bild vom Altern. Die Grenze verschiebt sich – gesellschaftlich und individuell. Dennoch bleibt klar: Biologische Veränderungen lassen sich nicht wegdenken. Experten raten daher, den Fokus weniger auf eine konkrete Alterszahl zu legen – und stattdessen auf ein gesundes, aktives Leben in jeder Lebensphase.

{title && {title} } red, {title && {title} } 13.04.2026, 18:47
Mehr zum Thema
Jetzt E-Paper lesen