Longevity-Mythen im Check

Experte: Was dein Leben verlängert – und was nicht

Wer länger leben will, sieht sich schnell mit unzähligen Trends konfrontiert. Doch was davon bringt wirklich etwas? Ein Longevity-Experte klärt auf.
Artiola  Zhabota
08.04.2026, 15:16
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Longevity boomt – doch zwischen Fasten, Supplements und Biohacking verliert man schnell den Überblick. Was verlängert das Leben wirklich – und was ist nur Hype? Denn nicht alles, was als Longevity-Wunder gilt, hält auch, was es verspricht. Ein Wiener Experte ordnet ein – und zeigt, worauf es wirklich ankommt.

Fasten – aber richtig

"Intermittent Fasting" gilt als einer der bekanntesten Longevity-Trends. Tatsächlich steckt dahinter ein wissenschaftlicher Ansatz: "Wenn wir längere Zeit nichts essen, aktiviert der Körper natürliche Reinigungsprozesse und beginnt, alte oder beschädigte Zellen abzubauen", erklärt Igor Kazal, Gründer der Wiener Longevity-Marke "Never Age Nutrition", gegenüber "Heute".

Doch extreme Varianten sind meist nicht nötig: "In der Praxis reicht für viele positive Effekte oft schon ein einfacher 16:8-Rhythmus – also 16 Stunden Fasten und ein 8-Stunden-Essfenster."

Individuelle Ernährung

Eine universelle "perfekte" Ernährung gibt es nicht: "Gäbe es die eine perfekte, hätte die Wissenschaft sie sicher schon entdeckt", meint Kazal im "Heute"-Interview.

Dennoch gibt es klare Leitlinien: viel Gemüse, gesunde Fette, hochwertige Proteine. Besonders die mediterrane Ernährung hat sich bewährt. Studien zeigen, dass jene das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um rund 30 Prozent senken kann.

Ein unterschätzter Treiber

"Zu Beginn des 20. Jahrhunderts lag der durchschnittliche Zuckerkonsum bei rund 6 Kilogramm pro Jahr – heute sind wir bei etwa 34 Kilogramm", erläutert der Gründer. Die Folgen sind bekannt: Diabetes, Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Zucker beeinflusst nicht nur den Stoffwechsel, sondern auch das Gehirn – und verstärkt das Verlangen nach mehr.

Alkohol-Mythos bröckelt

Lange galt moderater Alkoholkonsum als unproblematisch. Doch dieses Bild verändert sich: "Der regelmäßige Konsum von Wein erhöht nicht nur Entzündungsmarker im Körper, sondern sorgt auch für erhöhten oxidativen Stress", erklärt Kazal. Die Empfehlung ist daher klar: möglichst wenig – oder ganz verzichten.

Der größte unterschätzte Faktor

Während Ernährung und Sport viel Aufmerksamkeit bekommen, wird Schlaf oft vernachlässigt: "Bereits eine Nacht mit vier Stunden oder weniger Schlaf reicht aus, um das Immunsystem deutlich zu schwächen", verrät der "Never Age Nutrition"-Gründer.

Langfristig erhöht Schlafmangel das Risiko für zahlreiche Erkrankungen. Gleichzeitig ist er essenziell für Gehirn, Gedächtnis und emotionale Stabilität.

Mehr als Fitness

Auch Bewegung ist ein zentraler Faktor – und wird oft unterschätzt: "Mit je 1.000 zusätzlichen Schritten sinkt das allgemeine Sterberisiko um rund 15 Prozent", betont Kazal gegenüber "Heute". Dabei geht es nicht nur um intensives Training: Für viele reicht regelmäßige Bewegung im Alltag kombiniert mit leichtem Krafttraining.

Sinnvolle Supplements

Auch Nahrungsergänzungsmittel spielen eine Rolle – etwa Vitamin D oder Omega-3. Wundermittel sind Supplements aber nicht: Vielmehr sollen sie gezielt unterstützen, wenn ein Mangel besteht. Ein spannender Ansatz ist NAD+: Dabei handelt es sich um ein Molekül, das für die Energieproduktion in unseren Zellen wichtig ist – und mit dem Alter abnimmt.

Longevity ist kein Versprechen auf ewige Jugend, sondern die Chance, das eigene Leben bewusster zu gestalten. Entscheidend ist nämlich nicht, wie alt man wird, sondern wie man altert.

{title && {title} } AZ, {title && {title} } Akt. 08.04.2026, 15:21, 08.04.2026, 15:16
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