Jayden ist drei Jahre alt. Ein aufgeweckter Bub, der eigentlich einfach spielen und im Kindergarten Freunde finden sollte. Stattdessen bestimmt eine schwere Diagnose seinen Alltag. Seit Juli 2024 lebt er mit Diabetes Typ 1.
Diabetes Typ 1 ist eine Autoimmun-Erkrankung, bei der der Körper die Insulin-Produktion selbst zerstört - Betroffene müssen daher ein Leben lang Insulin zuführen und ihren Blutzucker ständig kontrollieren. Anders als bei Diabetes Typ 2 hat das nichts mit Ernährung oder Lebensstil zu tun, sondern trifft oft schon Kinder und kann nicht verhindert werden.
"Du musst ständig schauen, messen, reagieren. Das hört nie auf", sagt seine Mutter Bianca Rohrer aus dem Bezirk Liezen im Gespräch mit "Heute". Mehrmals täglich wird der Blutzucker kontrolliert, Insulin verabreicht – und im Notfall muss alles ganz schnell gehen. "Das ist lebensnotwendig. Ein kleines Kind kann das niemals alleine."
Was das konkret bedeutet, spürt die Familie jeden Tag. Jayden darf den Kindergarten aktuell nur besuchen, wenn ein Elternteil dabei ist. Ohne Begleitung geht es nicht.
"Ich sitze dann dort, damit ich sofort eingreifen kann, wenn etwas passiert", erzählt Rohrer. An einen normalen Alltag ist nicht zu denken. Arbeit bleibt liegen, Termine müssen abgesagt werden. "Du funktionierst einfach nur noch."
Dabei hatte alles zunächst gut ausgesehen. Für ein Jahr wurde eine Betreuung im Kindergarten genehmigt. Für die Familie war klar: Das wird verlängert.
"Wir haben ganz normal angesucht, ein halbes Jahr vorher", sagt Rohrer. Doch nach einem Umzug kam die Kehrtwende. Plötzlich war eine andere Behörde zuständig – und die lehnte ab. Begründung: Ein Paragraf, der chronische Erkrankungen ausschließt, wenn sie beeinflussbar sind. "Das war für uns ein Schock. Du stehst da und verstehst die Welt nicht mehr", so die Mutter.
Besonders bitter: In der Schule ist die Unterstützung klar geregelt. Kinder mit Diabetes bekommen Assistenz. Im Kindergarten hingegen fehlt jede einheitliche Lösung. "Ich verstehe das einfach nicht. Gerade in dem Alter brauchen sie doch am meisten Hilfe", sagt Rohrer. Auch viele Pädagogen würden gerne unterstützen, stoßen aber an rechtliche Grenzen.
Auf Anfrage von "Heute" heißt es aus dem Büro von FPÖ-Landesrat Hannes Amesbauer: "Zu konkreten Fällen können wir uns aus Datenschutzgründen leider nicht äußern." Der Bescheid sei beeinsprucht worden und liege "somit außerhalb der Sphäre der Landesregierung". Zugleich stellt man klar: "Faktum ist, dass es bis Ende 2024 keinerlei Assistenzleistungen für derartige Fälle gab." Man arbeite nun an Lösungen, "können diesen aber nicht vorgreifen".
Aufgeben kommt für Bianca Rohrer nicht infrage. Seit rund neun Monaten kämpft sie für eine Lösung – längst nicht mehr nur für Jayden. "Es betrifft so viele Familien. Es kann nicht sein, dass jedes Kind eine Einzellösung braucht", sagt sie. Mit einer Petition will die Familie jetzt Druck machen. Wer die Familie unterstützen will, kann die Aktion hier online unterschreiben.
Gefordert werden klare Regeln, Assistenz ab dem ersten Kindergartentag und geschultes Personal. "Eine Diagnose darf nicht darüber entscheiden, ob dein Kind dazugehören darf", sagt Rohrer. "Wir kämpfen – für Jayden und für alle anderen." Was für viele selbstverständlich ist, ist für Jayden ein täglicher Kraftakt – einfach Kind sein.