Eskalation schon im Kindergarten. In Kärnten kommt es laut Experten immer häufiger zu Suspendierungen – betroffen sind teilweise schon sehr junge Kinder.
"Die schwierigen Fälle im Kindergarten werden immer mehr, die betroffenen Kinder immer jünger", erklärt Daniela Lerchbaumer, Unterabteilungsleiterin für Elementarpädagogik im Amt der Kärntner Landesregierung der Kleinen Zeitung. Laut Lerchbaumer sei das eine Entwicklung, die sich in den vergangenen fünf bis zehn Jahren deutlich abgezeichnet hat.
In den meisten Fällen geht es um Selbst- oder Fremdgefährdung der Kinder. Hin und wieder gebe es aber auch andere Gründe, etwa wenn Eltern Essensbeiträge nicht bezahlen.
Suspendierungen seien grundsätzlich der letzte Ausweg. "Zuerst gibt es schriftliche Verwarnungen. Es existieren aber viele Mechanismen, um Suspendierungen vorzubeugen. Inklusive Elementarpädagoginnen und der mobile psychologische Dienst spielen dabei eine große Rolle", sagt Lerchbaumer in der Kleinen Zeitung. Ziel sei es, Helfersysteme zu aktivieren und Wege zu finden, wie das Kind weiter in der Einrichtung bleiben kann.
Entscheidend sei dabei meist die Zusammenarbeit mit den Eltern. "Für sie ist es die schlechte Lösung, wenn sie wirklich suspendiert werden müssen. Zu Suspendierungen kommt es nur, wenn mit ihnen keine Kooperation zustande kommt."
Konkrete Zahlen zu Suspendierungen pro Bildungsjahr kann das Land Kärnten nicht nennen. Bekannt ist lediglich, dass es sich meist um 14-tägige Suspendierungen handelt. Dauerhafte Suspendierungen seien hingegen "sehr selten". Häufig komme es auch vor, dass ein Kind am Ende eines Bildungsjahres im kommenden Jahr nicht mehr aufgenommen wird.
Auch die Berufsgruppe der elementaren Bildungseinrichtungen Kärntens (BEBEK) bestätigt den Trend. "Ich kann diesen Trend bestätigen. Eine Überforderung gibt es aber meist, weil die Rahmenbedingungen nicht passen", erklärt Vorstandsmitglied Belinda Ratz.
Zudem habe sich auch das Verhalten vieler Kinder verändert. "Vor 50 Jahren hätte es sich ein Kind nicht erlaubt, sich einfach auf den Boden im Supermarkt zu setzen und lautstark zu protestieren. Sie sind heute viel freier, drücken ihre Gefühle stärker aus", sagt Ratz. Kinder bräuchten daher heute eine andere Begleitung.
Auch Kärntens zuständiger Landesrat Peter Reichmann kennt diese Forderung. "Wir halten weiterhin an der schrittweisen Reduzierung der Gruppengröße bis 2031 auf 20 Kinder pro Gruppe fest." Ursprünglich sei dieses Ziel bereits bis 2028 geplant gewesen.
Reichmann betont zudem: "Mit dem neuen Gesetz bereits wichtige Schritte zur Qualitätssteigerung eingeleitet wurden. Damit haben wir österreichweit eine Vorbildfunktion eingenommen."