Jeden Tag derselbe Ablauf, über Jahrzehnte hinweg: Kurz vor sieben Uhr ging Christian Bachler auf seinem Hof in der Krakauebene zum Thermometer, prüfte Temperatur und Himmel - und gab die Daten wenig später ans ORF Radio Steiermark durch. Dieses Ritual endet nun.
"Am 31. März haben wir das aufgrund interner Änderungen beim ORF das letzte Mal gemeldet", sagt der Bergbauer gegenüber der "Kleinen Zeitung". Damit verschwindet eine jahrzehntelange Tradition aus dem Radioprogramm.
Für den 43-Jährigen war die tägliche Wettermeldung immer fixer Bestandteil seines Alltags. Schon als Kind erlebte er das Prozedere mit: Ablesen, notieren, anrufen. Die Daten vom Bergerhof wurden regelmäßig ins Studio nach Graz übermittelt und dort gegen 7.20 Uhr im Radio gesendet, heißt es in der Tageszeitung.
Am Hof selbst wird seit rund 50 Jahren das Wetter gemessen. Früher noch mit mechanischen Geräten und Papierstreifen, heute digital. Dennoch blieb ein Teil unverändert: die manuelle Kontrolle und die Beschreibung der Wetterlage.
"Wir machen die Kontrollmessung. Schauen, ob das zusammenpasst. Und wir beschreiben das Wetter. Das macht einstweilen noch keine KI", sagt Bachler zur "Kleinen Zeitung". Bekannt wurde der Bergbauer auch über die Region hinaus.
Spätestens seit einer Spendenaktion im Jahr 2020 verfolgen viele Menschen sein Leben am Hof. In sozialen Netzwerken erreicht er inzwischen ein großes Publikum, mit regelmäßigen Einblicken in den Alltag auf 1.450 Metern Seehöhe.
Dass die Wettermeldungen nun wegfallen, sorgt für Reaktionen. Viele Hörer - auch weit über die Steiermark hinaus - hatten sich an die täglichen Infos gewöhnt. "Leute in Berlin hören Radio Steiermark im Stream und erfahren so, wie das Wetter daheim ist", heißt es im bericht der "Kleinen Zeitung".
Mit der Umstellung beim ORF verschwinden die regionalen Wetterberichte in dieser Form aus dem Programm. Für Bachler endet damit ein täglicher Fixpunkt. "Unterm Strich geht es um nichts", sagt er der Tageszeitung. "Aber es ist eine emotionale Geschichte."
Ein Stück Radiotradition ist damit Geschichte - zumindest am höchstgelegenen Hof des Landes.