Sexueller Missbrauch vor dem 14. Lebensjahr zählt zu den schwersten Belastungen für Kinder. Internationale Studien, etwa der Weltgesundheitsorganisation (WHO), sowie große Metaanalysen zeigen klare Zusammenhänge zwischen früherer Gewalt und späteren Erkrankungen.
Laut internationalen Studien treten Symptome häufig erst später auf, etwa in der Pubertät oder im Erwachsenenalter.
Da nur wenige Fälle angezeigt werden, gibt es Schätzungen der Fallzahlen. Diese gehen davon aus, dass jedes dritte bis vierte Mädchen und jeder siebte bis achte Bub betroffen sind. Für Österreich rechnen Fachstellen mit etwa 10.000 bis 25.000 Fällen pro Jahr. Die Dunkelziffer ist hoch.
Betroffene haben ein deutlich erhöhtes Risiko für Depressionen, Angststörungen und Traumafolgestörungen. Besonders auffällig ist eine langfristige emotionale Belastung, die sich im Alltag fortsetzt.
Der Körper bleibt häufig in einem dauerhaften Stressmodus. Auch haben Betroffene später eine erhöhte Gefahr von Suchtverhalten oder leiden unter einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS).
Auch körperlich hinterlässt Trauma Spuren. Die Forschung zu sogenannten "Adverse Childhood Experiences" ("frühe traumatische Erlebnisse", dt.) zeigt, dass chronischer Stress das Nervensystem verändert. Dadurch steigt langfristig das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronische Schmerzen und Magen-Darm-Beschwerden. Studien zeigen, dass dies langfristig Organe und das Immunsystem beeinflusst. Beschwerden wie Schlafstörungen oder chronische Schmerzen sind keine Seltenheit.
Für betroffene Kinder und Jugendliche:
Rat auf Draht – 147
Die Notrufnummer 147 ist in ganz Österreich rund um die Uhr, anonym und kostenlos für Kinder und Jugendliche erreichbar. Auch Informationen zu sexueller Gewalt und zu weiteren Hilfsangeboten gibt es dort.
Für Eltern, Angehörige und Bezugspersonen bei Verdachtsmomenten:
die möwe – Kinderschutz berät Kinder, Jugendliche sowie Eltern und andere Bezugspersonen bei Gewalt und Missbrauch. Die Telefonberatung ist anonym und vertraulich unter 01 532 15 15 von Montag bis Donnerstag von 9 bis 17 Uhr sowie am Freitag von 9 bis 14 Uhr erreichbar. Die Organisation bietet auch Onlineberatung, persönliche Termine sowie Begleitung bei Verdacht auf Kindeswohlgefährdung an.
Mädchen und Buben haben im Durchschnitt unterschiedliche Symptome und äußern diese unterschiedlich. Während Mädchen eher internalisieren und sich zurückziehen, reagieren Buben häufiger nach außen. Fachleute warnen jedoch, dass gerade stille Symptome oft übersehen werden.