Das stille Problem

ADHS bei Mädchen: Warum viele undiagnostiziert bleiben

ADHS gilt noch oft als typische "Buben-Diagnose". Genau dieses Bild führt dazu, dass viele Mädchen mit anderen Symptomen übersehen werden.
Maria Ratzinger
31.03.2026, 08:10
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Während Buben mit ADHS häufig durch impulsives Verhalten und Hyperaktivität auffallen, zeigt sich die Störung bei Mädchen meist leiser. Sie wirken verträumt, ziehen sich zurück oder kämpfen mit innerer Unruhe, die nach außen kaum sichtbar ist. Was oft als Schüchternheit oder Sensibilität abgetan wird, kann in Wahrheit eine neurobiologische Störung sein.

Mädchen anders betroffen

Viele Mädchen entwickeln früh Strategien, um nicht negativ aufzufallen. Sie passen sich an, bemühen sich, funktionieren. Doch innerlich kämpfen sie mit Konzentrationsproblemen, Überforderung und Selbstzweifeln. Studien zeigen, dass Mädchen häufiger unter der sogenannten unaufmerksamen Form von ADHS leiden. Und das ohne die auffällige Hyperaktivität.

Typisch sind Tagträume, schnelles Abschweifen der Gedanken, Vergesslichkeit oder Schwierigkeiten bei der Organisation von Aufgaben. Viele wirken ruhig, sind aber gedanklich "nicht ganz da". Dazu kommen Rückzug, starke Selbstkritik und emotionale Überforderung.

Das führt dazu, dass ihre Schwierigkeiten lange unerkannt bleiben. Statt Unterstützung erhalten sie oft Kritik oder werden als "unorganisiert" oder "zu sensibel" wahrgenommen.

Buben werden früher erkannt

Bei Buben mit ADHS ist das Bild meist klarer: Sie stören im Unterricht, sind impulsiv und haben Schwierigkeiten, still zu sitzen. Genau diese Auffälligkeiten führen dazu, dass ADHS bei ihnen deutlich früher diagnostiziert wird. Oft bereits im Volksschulalter.

Frauen mit unerkanntem ADHS werden allerdings in vielen Fällen erst im Erwachsenenalter diagnostiziert, teils im Schnitt erst mit Mitte bis Ende 30. Eine große Analyse zu Einflussfaktoren auf Diagnose und Überweisung kommt zu dem Schluss, dass Mädchen mit ADHS eher übersehen werden, weil sie das Verhalten seltener zeigen, das Erwachsene sofort als "ADHS-verdächtig" interpretieren.

Späte Diagnose hat Folgen

Die späte Diagnose hat Konsequenzen. Mädchen mit unerkanntem ADHS entwickeln häufiger Depressionen, Angststörungen oder ein geringes Selbstwertgefühl. Viele haben das Gefühl, "nicht richtig zu funktionieren", ohne zu wissen, warum. Gerade weil sie nach außen angepasst wirken, bleibt ihr innerer Druck oft unsichtbar.

Dopamin ist Schlüssel

ADHS steht in engem Zusammenhang mit dem Botenstoff Dopamin im Gehirn. Dopamin ist wichtig für Aufmerksamkeit, Motivation und Belohnung.

Bei Menschen mit ADHS wird Dopamin in bestimmten Hirnregionen weniger effizient reguliert oder genutzt. Das führt dazu, dass alltägliche Aufgaben schwerer fallen, während stark stimulierende oder interessante Dinge plötzlich viel leichter gelingen.

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