Die Österreichische Ärztekammer macht beim Thema Medikamenten-Abgabe durch niedergelassene Ärzte Druck. Edgar Wutscher, Vizepräsident der Ärztekammer und Obmann der niedergelassenen Ärzte, fordert ein Ende des "sinnlosen Protektionismus" im Gesundheitssystem.
Aus Sicht der Kammer müsse das System endlich in der Realität des 21. Jahrhunderts ankommen. Der Patient und seine Bedürfnisse müssten im Mittelpunkt stehen. Konkret geht es darum, dass Ärzte auf freiwilliger Basis Medikamente direkt in der Ordination abgeben dürfen.
Wutscher argumentiert mit dem Alltag vieler Kranker. Immer wieder müssten Patienten nach dem Arztbesuch noch kilometerweit zur nächsten offenen Apotheke fahren, um dringend benötigte Arznei zu holen. Gerade in ländlichen Regionen sei das für viele eine zusätzliche Belastung. "Von dieser Forderung werden wir auch nicht abrücken – denn wir erleben jeden Tag, wie kranke Menschen gezwungen werden, kilometerweit zur nächsten offenen Apotheke zu fahren, um sich dort ihre dringend benötigten Medikamente holen zu dürfen. So können wir doch im Jahr 2026 nicht mehr mit Patientinnen und Patienten umgehen", so Wutscher.
Die Ärztekammer wirbt deshalb für einen "One-Stop-Shop": Diagnose und Therapie sollen in einem vertrauten, niederschwelligen Setting aus einer Hand kommen – ohne zusätzliche Wege.
Wutscher richtet den Appell direkt an die Politik. Wer verantwortungsbewusst im Sinn der Wähler handle, müsse hier eingreifen. Laut Ärztekammer würden sich außerdem zwei Drittel der Bevölkerung wünschen, Medikamente auch direkt beim Arzt zu bekommen.