Die Bundesregierung will Impfungen künftig auch in Apotheken ermöglichen und damit den Zugang erleichtern. Ab dem kommenden Jahr soll das neue Angebot starten, Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) wurde mit der Ausarbeitung eines Modells beauftragt.
In den nächsten Wochen sollen Gespräche mit den Systempartnern beginnen, hieß es aus dem Ministerium. Ziel ist es, die Impfquote zu erhöhen. Neben Information und Bewusstseinsbildung sei ein niederschwelliger Zugang dafür entscheidend. Eine gesetzliche Grundlage für Impfungen in Apotheken wird seit Langem von der Apothekerkammer gefordert.
Deutliche Kritik kommt jedoch von der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK). "Impfen ist aus gutem Grund eine ärztliche Leistung", sagt Johannes Steinhart, Präsident der Österreichischen Ärztekammer. "Impfungen sind mehr als nur ein Stich, sie sind ein komplexer Prozess, in dem nur die Ausbildung, die Expertise und die Erfahrung in jeder Situation von Ärztinnen und Ärzten die maximale Patientensicherheit garantiert."
Und weiter: "Zwölf Jahre harte Ausbildung können nicht mit einem Wochenendkurs aufgewogen werden. Die beste medizinische Beratung und Versorgung von Patientinnen und Patienten können nur Ärztinnen und Ärzte leisten. Patientensicherheit sollte oberste Priorität haben, wir lehnen diese Maßnahme daher ab", so Steinhart.
Auch Edgar Wutscher, Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer und Bundeskurienobmann der niedergelassenen Ärzte, sieht keinen Bedarf: "Österreich verfügt im internationalen Vergleich über einen gut ausgebauten niedergelassenen Bereich mit ausreichend Impfmöglichkeiten in den Ordinationen. Das unterscheidet uns grundlegend von anderen Ländern, die auf Impfen in Apotheken setzen müssen."
Stattdessen sollte laut Wutscher das Beschaffungs- und Bestellwesen der Impfstoffe optimiert werden, um die Impfraten zu erhöhen.
Für Naghme Kamaleyan-Schmied, Obmann-Stellvertreterin in der Bundeskurie niedergelassene Ärzte und Vizepräsidentin der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien, wäre ein anderes Modell sinnvoller: "Wenn man wirklich Verbesserungen in der Versorgung der Bevölkerung erreichen möchte, sollte man eine Verkürzung der Wege ermöglichen. Wenn Patientinnen und Patienten Impfstoffe und Medikamente im Sinne eines One-Stop-Konzepts direkt vom Arzt oder von der Ärztin in den Ordinationen bzw. beim Hausbesuch bekommen, ersparen sie sich den zusätzlichen Weg in die Apotheke", sagt sie.
Das bringe organisatorische und zeitliche Entlastung und stelle sicher, dass nur jene Medikamente ausgegeben werden, die tatsächlich benötigt werden. "So bleibt die medizinische Verantwortung dort, wo sie hingehört: Bei der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt", so Kamaleyan-Schmied.
Aufseiten der Apotheker sieht man die Regierungspläne hingegen positiv. Mit der Grundsatzentscheidung werde ein wichtiger Schritt gesetzt, um den Zugang zu Impfungen deutlich zu erleichtern und die Durchimpfungsraten nachhaltig zu erhöhen.
"Beim Impfangebot gilt das Prinzip: Je vielfältiger und wohnortnäher, desto besser für die Gesundheit der einzelnen Menschen und für das gesamte Gesundheitssystem. Apotheken verfügen über eine flächendeckende Infrastruktur in ganz Österreich, lange Öffnungszeiten und genießen hohes Vertrauen in der Bevölkerung. Die Einbindung der Apothekerinnen und Apotheker in das Impfgeschehen ist daher ein logischer und sinnvoller Schritt", betont Ulrike Mursch-Edlmayr, Präsidentin der Österreichischen Apothekerkammer.
Rund 3.000 Apotheker haben bereits eine entsprechende Impfausbildung auf internationalem Niveau absolviert. Internationale Erfahrungen zeigen laut Apothekerkammer, dass Impfangebote in Apotheken die Impfbereitschaft deutlich steigern können.