In Österreich gibt es derzeit bei rund 1.300 Medikamenten Probleme mit dem Nachschub. Das berichtete der Arzneimittel-Vollgroßhändler Phago in einer Aussendung. Betroffen sind unter anderem Diabetesmedikamente mit Lieferschwierigkeiten und wochenweisen Kontingentierungen vieler Hersteller.
Auch antibiotische Augentropfen "weisen nach wie vor zahlreiche Ausfälle auf". Zusätzlich bemängelt die Wiener Ärztekammer das Fehlen des Gürtelrose-Impfstoffs.
Das Gesundheitsministerium versucht zu beruhigen und betont, man müsse unterscheiden: "Wenn ein bestimmtes Produkt nicht verfügbar ist, heißt das nicht automatisch, dass der Wirkstoff fehlt."
Verzögerungen bei einzelnen Marken oder Herstellern – etwa aus Produktions- oder Logistikgründen – beträfen bestimmte Packungen, nicht jedoch die gesamte Therapie. "Niemand muss sich daher sorgen: Die medizinische Versorgung und notwendige Therapien sind weiterhin gesichert."
Am Donnerstagabend ordnete Alexander Herzog, Generalsekretär des Verbands der pharmazeutischen Industrie PHARMIG, die Lage um den Medikamentenengpass in der ZiB-2 ein. "Ein Lieferproblem eines Medikamentes ist kein Versorgungsengpass", stellt Herzog klar. Selbst wenn ein Hersteller kurzfristig nicht liefern könne, seien Restbestände beim Großhändler oder in den Apotheken erhältlich.
"Eine Einlagerung von Medikamenten wird das Problem nicht lösen", so Herzog weiter. Auslöser seien nämlich der "enorme Preisdruck", den das Gesundheitssystem auf die pharmazeutische Industrie ausübe. Zudem sei in den vergangenen Jahren die Produktion gewisser Medikamente in den Fernen Osten abgewandert.
Wenn es zudem globale Lieferkettenprobleme gibt, sei es außerdem unmöglich Medikamente einzulagern. Gerade deshalb spricht sich Herzog für einen elektronischen Beipackzettel aus, um Medikamente innerhalb der EU-Staaten verlagern zu können.