Unternehmen unter Druck

"Dünnes Eis": Neue Wirtschafts-Chefin schlägt Alarm

Wirtschaftskammer-Chefin Schultz fordert von der Regierung echte Entlastung – etwa eine Lohnnebenkosten-Senkung. Sonst würden massiv Firmen abwandern.
Angela Sellner
19.02.2026, 19:34
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk

Seit Jahresbeginn ist die Tiroler Unternehmerin Martha Schultz offiziell neue Präsidentin der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) – zuvor hatte sie die Funktion nach dem Rücktritt von Harald Mahrer im November 2025 interimistisch übernommen.

Jetzt gab Schultz ihre erste Pressekonferenz als Kammerchefin und sprang in die Bresche für rasche Maßnahmen zur Stärkung unserer angeschlagenen Wettbewerbsfähigkeit: "Österreich muss wieder unternehmerischer werden", erklärte sie.

"Österreich nur Liebhaberei"

Schultz sieht zwar "zarte Impulse des Aufschwungs", aber ein erwartetes Wirtschaftswachstum von einem Prozent sei "dünnes Eis", die heimischen Unternehmen stünden stark unter Druck. "Investitionen werden zunehmend im Nachbarausland getätigt; Österreich gilt allenfalls als Liebhaberei", warnt sie.

Es brauche dringend echte Maßnahmen zur Stärkung des Standorts: "Keine Symbolpolitik und Ansagen, sondern wirksame Reformen." Es drohe ansonsten die verstärkte Abwanderung von Unternehmen samt Verlust von Arbeitsplätzen – unwiederbringlich.

Gemeinsam mit WKO-General Jochen Danninger präsentierte Präsidentin Martha Schultz das Forderungspaket an die Regierung.
Denise Auer

Forderungspaket

Gemeinsam mit WKO-Generalsekretär Jochen Danninger präsentierte Schultz jetzt ein Forderungspaket an die Regierung, gegliedert in fünf Bereiche: Bürokratieabbau und Kostensenkung, Energie, Export, Arbeitsmarkt sowie Investitionen.

Senkung der Lohnnebenkosten

Im Zentrum steht die Forderung nach einer Senkung der Lohnnebenkosten. Im Regierungsprogramm steht das für 2027 (falls budgetär leistbar) – die Kammerspitze will hier mehr Tempo. Österreich müsse auf das deutsche Niveau herunterkommen, so Danninger – nur so bleibe man wettbewerbsfähig.

In Österreich liegt der Dienstgeberanteil der Lohnnebenkosten laut Danninger bei 29,2 Prozent, in Deutschland sind es 23 Prozent. Zumindest um fünf Prozentpunkte müsse man bei uns herunterkommen.

Familienfonds aus Budget finanzieren

Das würde sich einer Eco-Austria-Studie zufolge zu 50 Prozent selbst finanzieren, denn es entstünden damit rund 40.000 neue Jobs und also höhere Einnahmen.

Runterzubringen wären die Lohnnebenkosten laut Vorstellungen der Kammer, indem der Familienlastenausgleichsfonds (FLAF) nicht mehr aus Arbeitgeberbeiträgen, sondern aus dem Budget finanziert würde – aber ohne Kürzung von Leistungen. "Die Unterstützung von Familien betrifft alle", argumentiert Danninger. Das würde die Lohnnebenkosten jedenfalls auf einen Schlag um 3,7 Prozentpunkte drücken.

Kammer-Reform: "Alles wird hinterfragt"

Hinsichtlich der von Schultz angekündigten Reformen in der WKO selbst erklärte sie, der Prozess laufe. Ein externes Beratungsunternehmen nehme derzeit jede Abteilung im Haus unter die Lupe: "Alles wird hinterfragt", so Schultz – im Hinblick auf die Effizienz und darauf, was es für die Kammermitglieder bringe.

Ergebnisse kündigte Schultz für Juni an.

{title && {title} } sea, {title && {title} } Akt. 19.02.2026, 20:52, 19.02.2026, 19:34
Weitere Storys
Jetzt E-Paper lesen