Hattmannsdorfer zu Industrie

"Vorletzter – das geht nicht": So startet Aufholjagd

VP-Minister Hattmannsdorfer im "Heute"-Talk: Was die neue Industriestrategie bringt, wofür 2,6 Mrd. Euro fließen, wie Österreich Fahrt aufnehmen soll.
Angela Sellner
16.01.2026, 20:25
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Die Regierung hat am Freitag ihre Industriestrategie vorgestellt, mit der Österreichs Wirtschaft zukunftsfit werden und wieder zur internationalen Spitze aufschließen soll. Unmittelbar nach der Präsentation mehr als 100-seitigen Konvoluts aus 114 Maßnahmen eilte Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) ins "Heute"-Studio und erläuterte im Interview (ganzer Talk im Video unten) die Kernpunkte und Ziele der Strategie.

Österreich habe jetzt "erstmals in seiner Geschichte eine eigene Industriestrategie", erklärt Hattmannsdorfer und betont: "Das ist ein klares Bekenntnis, dass wir eine starke Industrie brauchen, damit Arbeitsplätze und sozialer Wohlstand in Österreich erhalten bleiben."

Kernstück der Strategie sei ein Fokus auf Zukunftsbranchen: "Wir definieren neun Schlüsseltechnologien, in denen wir glauben, dass auch neue Arbeitsplätze in Österreich entstehen können." Dazu zählen etwa Quantentechnologie, Life Sciences & Biotech, Chips, Künstliche Intelligenz. Hattmannsdorfer: "Das sind Bereiche, wo die österreichische Wirtschaft schon jetzt führend ist. Auf diese Stärken wollen wir setzen."

Das sind die neun Schlüsseltechnologien:

  • Künstliche Intelligenz und Dateninnovation
  • Chips, Elektronische Komponenten und Systeme
  • Fortgeschrittene Produktionstechnologien und Robotik
  • Quantentechnologie und Photonik
  • Fortgeschrittene Werkstoffe (Advanced Materials)
  • Life-Sciences & Biotech
  • Energie- und Umwelttechnologien
  • Mobilitätstechnologien
  • Weltraum- und Luftfahrttechnologien
Dreier-Präsentation in Industriehalle bei Siemens Mobility in Wien: Mobilitätsminister Hanke (SPÖ), Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer (ÖVP), Neos-Deregulierungsstaatssekretär Sepp Schellhorn (v.l.)
APA-Images

2,6-Milliarden-Paket

Für die Schlüsseltechnologien stellt die Regierung ein Milliardenpaket bereit. "2,6 Milliarden Euro werden im Rahmen eines eigenen Schlüsseltechnologien-Programms in unserer Forschungsförderung zur Verfügung gestellt", kündigt Hattmannsdorfer an.

Diese Förderung ist nicht das Einzige: "Mit einem eigenen Gesetz werden Genehmigungsverfahren in den Schlüsseltechnologien beschleunigt. Und wir werden alle Forschungseinrichtungen der Republik, die Forschungsförderungsgesellschaft, aber auch die Standortagentur genau an diesen Schlüsseltechnologien ausrichten", so der Minister weiter. "Mit dem Ziel, dass wir weltweit Unternehmen ansprechen, in Österreich Arbeitsplätze zu schaffen, Niederlassungen und Produktionsstätten zu errichten."

Video: Das Interview mit Minister Hattmannsdorfer

Ein großes Thema sind die hohen Energiekosten hierzulande. Hattmannsdorfer warnt: "Es bringt nichts, wenn Betriebe zusperren müssen oder in andere Länder absiedeln, weil die Energie in Österreich zu teuer ist."

Industriestrompreis

"Wir führen deshalb einen Industriestrompreis ein – damit Österreich wettbewerbsfähig ist bei den Energiekosten." Und im Gegensatz zu Deutschland gebe es bei uns keine langen Debatten: "Wir setzen es in Österreich einfach um."

Der Industriestrompreis soll ab 1. Jänner 2027 kommen. Warum nicht früher? Der Minister verweist auf die EU: "Es gibt gewisse beihilferechtliche Vorgaben. Man darf diese Unterstützung nur für drei Jahre auszahlen. Wir haben uns daher für 2027, 28 und 29 entschieden – damit die Industrie auch Planbarkeit und Perspektive hat."

Bonus verlängert

Außerdem werde der für die Jahre 2025 und 26 bereits eingeführten Industriestrombonus bis 2029 verlängert. Dieser gelte für rund 40 sehr Industriebetriebe. Für jene ebenfalls energieintensiven Unternehmen, die in diesem Modell keinen Platz finden, komme der Industriestrompreis. Profitieren sollen Branchen mit hohem Energieverbrauch wie Stahl- und Chemieindustrie, künftig etwa auch die Düngemittel- und Glasindustrie.

VP-Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer mit der Industriestrategie auf Papier vor sich: über 100 Seiten, 114 Maßnahmen.
Sabine Hertel
„Mit unserem Steuergeld nicht Jobs in China oder in den USA unterstützen, sondern rot-weiß-rote Wertschöpfung.“
Wolfgang HattannsdorferWirtschaftsminister (ÖVP)

Für kleinere Betriebe verweist der Minister auf bereits gesetzte Schritte: "Mit Jänner 2026 haben wir die Elektrizitätsabgabe halbiert." Was das bringt, rechnet er vor: "Für einen Friseurbetrieb bedeutet es 500 Euro Abgabenersparnis im Jahr, ein Tischler mit einer CNC-Fräse zahlt 2.500 Euro weniger."

Wieder in die Top 10

Hattmannsdorfer setzt sich ein ehrgeiziges Ziel: "Mein Anspruch ist es, dass Österreich wieder aufschließt zu den Top 10 Industrienationen der Welt." Zuletzt sei Österreich hier im OECD-Index stark abgerutscht: "Vorletzter vor Irland. Das geht nicht."

500.000 Fachkräfte fehlen

Eine Herausforderung bei der Aufholjagd seien fehlende Arbeitskräfte. "Die Babyboomer, die in den nächsten zehn Jahren in Pension gehen, sind 1,4 Millionen Menschen“, sagt der Minister. Demgegenüber stünden nur 900.000 Menschen, die jetzt im Alter von zehn bis 19 sind. Fazit: „Uns wird in den nächsten Jahren eine halbe Million Menschen fehlen."

Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer warnt: "Uns werden 500.000 Arbeitskräfte fehlen."
Sabine Hertel
„Menschen sollen nicht mehr wegen der Sozialleistungen nach Österreich kommen, sondern zum Arbeiten“
Wolfgang HattmannsdorferWirtschaftsminister (ÖVP)

Deshalb brauche es Änderung bei der Zuwanderung: "Menschen sollen nicht mehr wegen der Sozialleistungen nach Österreich kommen, sondern zum Arbeiten."

Ausgeweitet beziehungsweise reformiert wird im Rahmen der Industriestrategie auch die Rot-Weiß-Rot-Karte: "Wir müssen auf der ganzen Welt schauen, dass wir topqualifizierte, motivierte Menschen begeistern, in Österreich zu arbeiten, Geld zu verdienen und Steuern zu zahlen. Und es geht darum, dass junge Menschen aus Drittländern, die bei uns studieren oder eine Ausbildung machen, danach auch bei uns arbeiten dürfen."

Rot-weiß-rot einkaufen

Ein weiterer Punkt in der Industriestrategie: Die öffentliche Hand soll künftig gezielter heimische Unternehmen stärken. Dafür werden Regeln und Gesetze angepasst, mit klarem Fokus auf Österreich und Europa: "Wir werden Maßnahmen setzen, dass dort, wo die öffentliche Hand beschafft, sichergestellt sein muss, dass die Produkte, die wir kaufen, Arbeitsplätze bei uns in Österreich und in Europa sichern."

Der Minister betont: Es gehe darum, das System so auszurichten, "dass mit unserem Steuergeld nicht Jobs in China oder in den USA unterstützt werden, sondern rot-weiß-rote Wertschöpfung."

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