Österreich soll raus aus dem wirtschaftlichen Tief und international wieder wettbewerbsfähig werden – dieses Ziel als Voraussetzung für den Erhalt unserer Lebensqualität hat Priorität in der Regierung. Während viele andere Länder (etwa Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Schweden) längst eine eigene Industriestrategie haben, fehlt so ein Masterplan hierzulande bisher komplett.
Das soll sich jetzt ändern. Laut Regierungsprogramm hätte die neue Industriestrategie für Österreich bis Ende 2025 fertig sein sollen. Mit etwas Verspätung geht es nun in die Zielgerade. Noch im Jänner soll das Ergebnis präsentiert werden.
Laut "Heute"-Informationen läuft unter Federführung von Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) derzeit die finale inhaltliche Abstimmung der Industriestrategie in der Koalition. Hattmannsdorfer hatte sich bereits während der Koalitionsverhandlungen für eine Industriestrategie starkgemacht. Und sein erster offizieller Termin als Wirtschaftsminister führte ihn Anfang März 2025 zur voestalpine in Linz.
Auf SPÖ-Seite ist Infrastrukturminister Peter Hanke führender Verhandler, für die Neos sitzt Deregulierungsstaatssekretär Sepp Schellhorn am Tisch.
Gearbeitet wird auf Hochtouren. Der Zeitplan ist eng getaktet, jede Woche gebe es mehrere Abstimmungstermine zwischen den involvierten Ministerien, erklärt ein mit den Verhandlungen Vertrauter gegenüber "Heute".
Aber was soll eine Industriestrategie können – arbeitet die Regierung doch ohnehin beispielsweise mit Stromkostenbonus und Bürokratieabbau (kürzere Genehmigungsverfahren) an Verbesserungen der Rahmenbedingungen für die Industrie? Das seien die operativen Grundlagen, aber strategisch gelte es, jene Felder herauszufiltern, in denen Österreich langfristiges Wachstumspotenzial habe, heißt es.
Genau darum soll es in der heimischen Industriestrategie gehen: Welche Branchen und Technologien werden in zehn oder zwanzig Jahren die große Wertschöpfung bringen – und wie sorgt Österreich dafür, hier ganz vorn mitzuspielen?
Als Beispiele nennt ein Insider im Gespräch mit "Heute" die Bereiche Mikroelektronik (Halbleiter) und Quantenforschung. In letzterer ist Österreich Weltspitze, hat vier Nobelpreisträger hervorgebracht. Und die Innsbrucker Quantenphysikerin Francesca Ferlaino wurde soeben zur Wissenschaftlerin des Jahres gekürt.
Die neue Industriestrategie soll erstmals klar die Schlüsseltechnologien für Österreich definieren. Und damit auch, welche Projekte hierzulande bevorzugt genehmigt, gefördert und aufgebaut werden sollen. Man wolle weg von pauschaler Gleichbehandlung und gezielt spezielle Rahmenbedingungen für Schlüsseltechnologien schaffen – um Investitionen in diese zu beschleunigen und Verfahren für strategisch wichtige Projekte zu verkürzen.
Die Schlüsseltechnologien sollen auch bevorzugt gefördert werden, ist zu hören. Dass das rechtlich möglich ist, zeige bereits der im Vorjahr neu geschaffene "Made in Europe"-Bonus im Bereich der Solaranlagen.
Fixer Bestandteil der Industriestrategie soll zudem ein klarer Fokus auf Rot-Weiß-Rot bei staatlichen Anschaffungen sein. Gekauft werden soll nach Möglichkeit zuerst in Österreich, dann in der EU. Und erst in letzter Konsequenz außerhalb Europas.
Die Industriestrategie soll jedenfalls der erste "große Wurf" der Regierung 2026 werden und dürfte auch ein großes Thema werden bei der Klausur der Koalitionsspitze (VP-Kanzler Stocker, SPÖ-Vize Babler, Neos-Außenministerin Meinl-Reisinger) am 13. Jänner in Mauerbach (NÖ) sowie in der Vollbesetzung beim Ministerrat tags darauf in Wien.