Im ersten Ministerrat 2026 setzte sich die Regierung den Tourismus auf die Agenda. Die Branche ist eine tragende Säule der österreichischen Wirtschaft, ist gemeinsam mit der Freizeitwirtschaft für rund 14 % der heimischen Wirtschaftsleistung verantwortlich und sichert über 567.000 Arbeitsplätze.
Österreich-Urlaub ist gefragt wie nie – das zeigen die Nächtigungszahlen des Vorjahrs (+1,2 Prozent) und der Rekord-Start in die aktuelle Wintersaison (+3,4 Prozent).
Aber trotz dieser hohen Gäste-Nachfrage steht die Branche unter Druck. Zu nennen sind etwa steigende Energie-, Personal- und Finanzierungskosten, Fachkräftemangel, zu viel Bürokratie.
Die Regierung hat daher am 7. Jänner ein weiteres Paket zur Stärkung des Tourismusstandorts beschlossen – "Heute" berichtete bereits vorab über die Punkte, die nach den im Vorjahr auf den Weg gebrachten Maßnahmen wie etwa die Erhöhung des Saisonkontingents heuer im Fokus stehen sollen.
Sozial- und Arbeitsministerin Korinna Schumann (SPÖ), Tourismus-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner (ÖVP) und Deregulierungsstaatssekretär Sepp Schellhorn (Neos) präsentierten das Paket im Anschluss an die Ministerratssitzung den Medien.
Das Koalitions-Trio nahm aber auch Stellung zur laut Umfragen wachsenden Unzufriedenheit der Bevölkerung mit der Regierung, die – salopp formuliert – zwar viel rede und ankündige, aber noch keine echten Reformen umgesetzt habe. "Wir haben keinen Sesselkreis gegründet", setzte sich Neos-Schellhorn zur Wehr. "Aber die richtigen Schritte brauchen Zeit."
"2026 wird ein Jahr des wirtschaftlichen Aufschwungs", gab sich Zehetner zum Auftakt zuversichtlich. Der Tourismus trage hier wesentlich bei, sei aber "kein Schönwetterthema, sondern ein echter Standortfaktor".
"Ohne den Tourismus würde in vielen Regionen das Licht ausgehen", erklärte Zehetner. Anders gesagt: "Ohne Tourismus fehlt in vielen Regionen nicht nur der Wirt/die Wirtin, sondern die wirtschaftliche Grundlage." Daher bleibe man dran, "die Potenziale von morgen zu erschließen". Man stärke den Tourismus "nicht aus Nostalgie, sondern weil er ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist".
„Ohne den Tourismus würde in vielen Regionen das Licht ausgehen.“Elisabeth ZehetnerTourismus-Staatssekretärin
Ein ganzes Bündel an Maßnahmen für den Tourismus wurde also zum Jahresstart auf den Weg gebracht. Unter anderem bekommt die Österreich Werbung ein Sonderbudget von einer Million Euro, um bei den Olympischen Spielen in Mailand und Cortina für die Ski-Destination Österreich Stimmung zu machen.
Deregulierungs-Staatssekretär Schellhorn betonte, dass die Regierung bereits wesentliche Erleichterungen auf den Weg gebracht habe – darunter sein "Herzensprojekt", eine Reparatur des bisherigen Fleckerlteppichs beim Trinkgeld: "Nach der von uns maßgeblich vorangetriebenen Trinkgeld-Reform, mit der wir neun unterschiedliche Regelungen durch eine österreichweit einheitliche Trinkgeldpauschale ersetzt und echte Rechtssicherheit geschaffen haben, setzen wir den nächsten Schritt der Entbürokratisierung für den Tourismussektor.“
Schellhorn kündigte indes auch insgesamt ein weiteres Eindämmen der Bürokratieflut an. Nach den Anfang Dezember präsentierten ersten 113 Maßnahmen werde man "im ersten Halbjahr 2026 weitere 450 Vorhaben" vorstellen.
Ministerin Schumann wies auf das Rückgrat der Tourismusbranche hin – "die Menschen, die dahinterstehen, etwa jeden Tag das Frühstück vorbereiten. Sie arbeiten dann, wenn andere Urlaub haben, sie sind flexibel, belastbar und hoch engagiert."
Es gehe um Arbeitsrealitäten – etwa Arbeitslosigkeit zwischen den Saisonen, das belaste die Betroffenen und die Arbeitslosenversicherung. Man wolle daher "in die Menschen im Tourismus investieren", erklärte die Ministerin mit Hinweis auf den neuen Tourismusbeschäftigten-Fonds (6,5 Millionen Euro jährlich).