Am Samstag haben Soldaten der Elite-Einheit Delta Force Nicolás Maduro festgenommen. Nach Jahrzehnten von Morden, Repression und systematischen Menschenrechtsverletzungen sehen viele Venezolaner in der Entführung des kommunistischen Diktators erstmals einen Hoffnungsschimmer.
In Europa diskutierte man derweil lieber über Völkerrechtsfragen und Präzedenzfälle. Man beschwor die internationale Rechtsstaatlichkeit, hielt den moralischen Zeigefinger hoch – und blieb damit im Bekannten.
Auch in Österreich sorgte die Festnahme des venezolanischen Diktators für viele Diskussionen. ÖVP-Generalsekretär Nico Marchetti kritisierte am Montag das "ohrenbetäubende Schweigen der FPÖ". Herbert Kickl gebe sich "mit seiner Anbiederung an Putin, Orban und Trump als aufrechter Anti-Demokrat zu erkennen", sagte Marchetti.
"Dass es Kickl bis zum heutigen Tag nicht zustande gebracht hat, auch nur ein einziges kritisches Wort am Vorgehen seines viel bewunderten Vorbildes US-Präsident Donald Trump in Venezuela zu üben, spricht Bände." Jeder "aufrechte Demokrat" stehe solidarisch an der Seite der Bevölkerung Venezuelas und poche "auf die strikte Einhaltung des Völkerrechts", so der VP-General.
FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker rückte am Mittwoch zum Konter aus. "Während ÖVP-Generalsekretär Marchetti noch vorgestern den demokratisch gewählten US-Präsidenten Donald Trump als angeblichen 'Antidemokraten' diffamiert hat, startet man im Bundeskanzleramt offenbar jetzt den höflichen Antrittsbesuch bei Mitgliedern von dessen Administration. Diese außenpolitische Schizophrenie der ÖVP ist nicht mehr zu überbieten."
Hafenecker erwähnte in diesem Zusammenhang den USA-Arbeitsbesuch von Staatssekretär Alexander Pröll. Diese sei "besonders pikant", da die ÖVP gleichzeitig aus dem Inland heraus den US-Präsidenten sowie andere demokratisch gewählte Staats- und Regierungschefs polemisiere. "Große Worte und Beschimpfungen daheim, devotes Händeschütteln im Ausland – das ist der neue Stil der ÖVP", so Hafenecker.