Volle Skigebiete, Ansturm auf die Christkindlmärkte und Rekordnächtigungen: Österreichs Tourismus läuft auf Hochtouren. Tourismus-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner (ÖVP) zeigt sich im "Heute"-Talk zum Jahresende (ganzes Interview im Video unten) zufrieden – und wirbt gleichzeitig für Zukunftsprojekte wie Skihallen. Außerdem in Fokus: das Bemühen um mehr Fachkräfte und günstigeren Strom für Betriebe.
Für die Wintersaison ist Zehetner sehr optimistisch: "Unsere Hotspots sind perfekt gebucht, es läuft alles nach Plan." Schon vor Saisonstart habe man eine starke Buchungslage erwartet – "und das hat sich jetzt bestätigt". Auch der Blick aufs Gesamtjahr fällt positiv aus: "2025 war, was die Nächtigungszahlen anbelangt, wieder ein sensationelles Jahr."
Österreich sei ein beliebtes Tourismusland, so die Staatssekretärin – und das gelte nicht nur für die Skigebiete: " Wenn man sich in Wien auf den Christkindlmärkten umschaut, sieht man, wie wir auch zu Weihnachten Anziehungspunkt beim Städtetourismus sind."
Der Tourismus sei ein wesentlicher Wirtschaftszweig für Österreich. "Allein Beherbergung, Hotellerie und Gastronomie erbringen 6,3 Prozent unseres Bruttoinlandsprodukts. Rechnen wir noch Freizeitwirtschaft & Co. dazu, sind wir schon beim Doppelten." Auch der Handel profitiere – "am Tourismus hängen enorm viel Wertschöpfung und Jobs", erklärt Zehetner.
„Skipässe: Im internationalen Vergleich ist Österreich günstig.“Elisabeth ZehetnerTourismus-Staatssekretärin (ÖVP)
Skiurlaub wird mit immer höheren Preisen allerdings mehr und mehr zum Luxus, wird häufig kritisiert. Zehetner dazu: "Im internationalen Vergleich ist Österreich günstig. In den USA kosten Tagestickets umgerechnet 300 bis 400 Euro aufwärts. Die Preisspanne bei uns ist natürlich von Skigebiet zu Skigebiet unterschiedlich, aber man bekommt in Österreich einen Tagesskipass zwischen 40 und 80 Euro."
Und das bei besten Pistenverhältnissen und hoher Qualität: "Beschneiung mit grünem Strom, moderne Lifte, Sitzheizungen – das ist international nicht selbstverständlich.“ Skifahren koste Geld, "aber andere Sportarten auch". Wichtig sei nicht zuletzt, den Nachwuchs im Skisport zu fördern: "Damit wir den Spitzensport haben, brauchen wir den Breitensport."
Große Skisport-Events würden direkt auf die Buchungs-Nachfrage wirken, sagt Zehetner: "Die Bilder von weißen Winterlandschaften animieren unmittelbar – die Leute bekommen Lust auf Schnee." Beim Ski-Opening heuer in Schladming seien an einem Wochenende 50.000 Menschen gewesen, von denen gut die Hälfte auch auf der Skipiste war. "Solche Events erschließen neue, junge Zielgruppen."
„Es wird weiterhin Schnee geben.“Elisabeth ZehetnerTourismus-Staatssekretärin (ÖVP)
Hinsichtlich klimabedingten Schneemangels gibt Zehetner Entwarnung: "Um den Schnee muss man sich nicht sorgen – es wird weiterhin Schnee geben." Tiefer gelegene Skigebiete müssten mit technischen Hilfsmitteln stärker eingreifen: "Aber die Beschneiung wird immer effizienter und ressourcenschonender."
Gleichzeitig fordert die Tourismus-Staatssekretärin Offenheit für neue Wege – und bringt das Thema Skihallen auf den Tisch. "Vielleicht braucht es auch in Österreich die ein oder andere Skihalle – eine überdachte Schnee-Erlebniswelt."
In anderen Ländern seien Skihallen durchaus üblich: "Von China bis Saudi-Arabien gibt es das – warum sollten wir das nicht auch in Österreich machen? Auch für schnellen Schneespaß zwischendurch, abseits von längerem Skiurlaub."
„Vielleicht braucht es auch in Österreich die ein oder andere Skihalle – eine überdachte Schnee-Erlebniswelt.“Elisabeth ZehetnerTourismus-Staatssekretärin (ÖVP)
Ob es schon konkrete Pläne für Skihallen in Österreich gebe? Zehetner: "Wir sind überzeugt, dass das eine gute Idee ist und sind dabei, dafür Partner zu suchen."
Der Gedanke dahinter: "Wenn die Leute nicht zum Schnee kommen können, müssen wir den Schnee zu den Leuten bringen." Vor allem Kinder in Ballungsräumen könnten so früh an den Wintersport herangeführt werden.
Ein zentrales Problem im Tourismus bleibt das Personal. "Der Fachkräftemangel ist der größte Hemmschuh für weiteres Wachstum", warnt Zehetner. Studien würden zeigen: "Mit 12.000 zusätzlichen Fachkräften könnte der Tourismus um fünf Prozent wachsen."
Die Regierung habe reagiert: "Wir haben das Saisonnierskontingent fast verdoppelt – von 5.000 auf 8.000 Personen." Das Feedback aus den Regionen sei positiv. Zehetner weiter: "Wir wollen im Rahmen unserer Tourismus-Offensive, aber auch dafür sorgen, dass wir vielleicht Leute, die schon einmal im Tourismus gearbeitet und sich inzwischen umorientiert haben, zurückgewinnen."
Vieles könne man auch digitalisieren – "dabei wollen wir die Betriebe unterstützen" – klar sei aber auch: "Gastfreundschaft und Herzlichkeit lassen sich nicht digitalisieren, dafür braucht es Menschen, die gerne im Service arbeiten."
Besonders wichtig auch in der Tourismusbranche: die Energiepreise. Zehetner verweist auf das neue Stromgesetz, und darüber hinaus: "Die Elektrizitätsabgabe wird ab 1. Jänner 2026 für Haushalte auf das EU-Minimum gesenkt – für Betriebe fast halbiert." Gerade Tourismusbetriebe würden das spüren.