SPÖ-Chef und Vizekanzler Andreas Babler war um den Jahreswechsel mit katastrophalen Umfragen konfrontiert. Im Dezember fragte "Unique Research" für "Heute", wer der beste rote Vorsitzende wäre. Ergebnis: Nur 17 Prozent sprachen sich für Babler aus, 33 Prozent nannten seinen Vorvorgänger Christian Kern. Nur bei den SPÖ-Wählern kam der ehemalige Traiskirchner Bürgermeister auf eine dünne Mehrheit von 45 zu 37 Prozent.
Am Wochenende veröffentlichte die "Kronen Zeitung" die Sonntagsfrage in zwei Varianten: die SPÖ mit Babler bzw. Christian Kern, die ÖVP mit Christian Stocker bzw. Sebastian Kurz. Ergebnis: Mit Babler kommt die SPÖ auf 18 Prozent, mit Kern aber auf 24 Prozent. Das Babler-Ergebnis wäre ein weiterer Absturz hinter die 21,1 Prozent bei der Nationalratswahl 2024. Kern würde das dagegen toppen.
Spätestens seitdem ist die Diskussion wieder entbrannt, ob nicht der Ex-Kanzler an die Parteispitze zurückkehren soll. "Wenn ihn die Partei bittet, wird er das tun", ist ein SPÖ-Insider im "Heute"-Gespräch überzeugt. Er glaubt, dass er bei einem Antreten gegen Babler gute Aussichten auf Erfolg hätte: "Babler ist in vielen Ländern und weiten Teilen der SPÖ mittlerweile Persona non grata."
Die Kritik in der Partei am Chef und seinem engen Umkreis ist massiv: "Sie reden nicht mit uns, nicht einmal hochrangige Funktionäre bekommen keine Termine", formuliert es einer. "Das ist schon fast autistisch", ein anderer. Zudem sei Babler "total beratungsresistent".
Ein Grund dafür sei die Situation in den Ländern. So stehen etwa in Kärnten demnächst Wahlen an. Da geht es für die SPÖ um nichts weniger als den Landeshauptmann. "Zwischen drei und fünf Prozent des Wahlergebnisses in den Ländern hängt vom Trend im Bund ab", so ein hochrangiger Funktionär. "Es geht um eine Marginalisierung der SPÖ in den Ländern. Es ist die Angst da, dass es mit Babler noch weiter nach unten geht, dass er die Partei noch mehr kaputt macht."
Viele hätten Babler auch nicht verziehen, dass es etwa bei den Pensionskürzungen oder beim Aufschnüren des Zwei-Jahres-Pakets für die Beamten keine Information seitens der Parteispitze gegeben habe. Es verenge sich auf einen ganz kleinen Zirkel um den Parteichef.
Offen hinter Babler stehen derzeit nur mehr die Gewerkschaftsspitze, der Parlamentsklub und Teile der Wiener SPÖ. Aber selbst dort bröckelt die Unterstützung für den Niederösterreicher. Daher habe Kern bei einer Kandidatur auch gute Chancen: "Jeder, der am Parteitag antritt und passabel auftritt, gewinnt gegen Babler", prognostiziert ein anderer Parteiinsider.
Was sagt eigentlich Kern selbst zu den Diskussionen? "Bitte um Verständnis, aber ich werde das nicht kommentieren", meint er auf "Heute"-Anfrage freundlich, aber bestimmt.
Fix ist jedenfalls: Allfällige Gegenkandidaten für Babler müssen vom Parteivorstand abgesegnet werden. Der tagt am 13. Februar …