Schlacht um Awdijiwka

HIER tut Putins Armee jetzt alles für einen Sieg

An der östlichen Front der Ukraine toben heftigste Kämpfe um die Stadt Awdijiwka. Die Russen wollen sie unbedingt erobern – trotz schwerster Verluste. 

Roman Palman
Donezk-Separatisten beim Abfeuern einer Haubitze vom Typ 2A36 Giazint-B (dt. "Hyazinthe") bei Awdijiwka. Archivbild.
Donezk-Separatisten beim Abfeuern einer Haubitze vom Typ 2A36 Giazint-B (dt. "Hyazinthe") bei Awdijiwka. Archivbild.
REUTERS

Während sich die ukrainischen Streitkräfte an der Südfront weiter Meter um Meter durch die russischen Verteidigungslinien bei Robotyne kämpfen, geraten sie im Osten nun selbst in Bedrängnis. Die Lage in der Frontstadt Awdijiwka wird für die Ukrainer immer prekärer.

"Hier findet eine Schlacht statt, in die der (russische) Feind seine Hauptkräfte wirft", schreibt Journalist Jurij Butussow (47) auf Facebook. Der ukrainische Reporter gilt als gut vernetzt im Militär.

Er berichtet, die russische Armee würde mit Rotation ihrer Reserve die hier laufende eigene Offensive trotz schlimmer Verluste fortsetzen.

    So zerstört ist Awdijiwka. Bilder aus den Trümmern der Frontstadt im Ukraine-Krieg.
    So zerstört ist Awdijiwka. Bilder aus den Trümmern der Frontstadt im Ukraine-Krieg.
    IMAGO/ABACAPRESS

    Weitere Einheiten seien zur Verstärkung aus dem nordukrainischen Frontabschnitt Kupjansk abgezogen worden, um die sich rasant lichtenden Angriffsreihen bei Awdijiwka aufzufüllen.

    "Sehr ernste Bedrohung"

    Zwar hätten die ukrainischen Verteidiger bisher alle direkten Angriffe abwehren können, doch "die Situation hat sich verschärft". Besonders im Norden würden die Russen entlang des dortigen Bahndammes vorrücken, um ein Aufmarschgebiet für einen weiteren Vorstoß in Richtung Stepowe-Berdytschi und des großen Kokswerkes der Stadt zu sichern.

    Die riesige Kokerei im Norden dominiert das Stadtbild von Awdijiwka. Archivbild
    Die riesige Kokerei im Norden dominiert das Stadtbild von Awdijiwka. Archivbild
    IMAGO/ITAR-TASS

    Eine mögliche russische Eroberung des riesigen Industriekomplexes sei eine "sehr ernste Bedrohung, die maximale Aufmerksamkeit erfordert".

    Auch im Süden Awdijiwka drängen die Russen weiter vor. Damit versuchen die Kreml-Truppen, die Stadt wie schon Bachmut zuvor in einer Zangenbewegung zu umschließen. Das ist schon fast gelungen. Der ukrainische Nachschubkorridor soll auf eine Breite von sechs bis acht Kilometer zusammengeschrumpft sein.

    "Um jeden Preis"

    Awdijiwka liegt in unmittelbarer Nähe zur Regionalhauptstadt Donezk und damit seit 2014 an der Front bzw. der "Kontaktlinie". Laut Butussow misst die ukrainische Militärführung der ehemals 30.000 Einwohner zählenden Stadt eine deutlich höhere strategische Bedeutung zu als dem nach monatelangem Kampf verlorenen Bachmut.

    Das gilt offenbar auch für die Russen: "Das russische Kommando wird hier um jeden Preis einen Erfolg vorzeigen wollen."

    "Lage in Awdijiwka eskaliert"

    Der ukrainische Journalist sieht hier aber trotz der prekären Lage eine gute Chance auf einen Sieg seiner Landsleute. Die taktische Lage in Awdijiwka sei "vorteilhaft" um angreifende Russen-Verbände aufzureiben, dafür brauche es aber frische, gut ausgebildete Soldaten vor Ort.

    Butussow: "Die Lage in Awdijiwka eskaliert und hier findet eine Schlacht statt, in die der Feind seine Hauptkräfte wirft. Eine Schlacht, die wird durchaus gewinnen können, wenn wir unsere Streitkräfte zu konzentrieren. Dies erfordert jedoch schnelles, rechtzeitiges und systematisches Handeln, nicht nur Worte und Wünsche."

      Ukraines Präsident <a target="_blank" data-li-document-ref="100194987" href="https://www.heute.at/g/-100194987">Wolodimir Selenski</a> besuchte am 18. April 2023 die schwer umkämpfte Front-Stadt Awdijiwka direkt neben Donezk.
      Ukraines Präsident Wolodimir Selenski besuchte am 18. April 2023 die schwer umkämpfte Front-Stadt Awdijiwka direkt neben Donezk.
      IMAGO/UPI Photo
      rcp
      Akt.