Nach der schweren Sturzflut im Himalaya steigt die Zahl der Todesopfer weiter an. Die Polizei in Nepal hat am Donnerstag bekannt gegeben, dass bisher 392 Leichen geborgen wurden. Chinesische Medien sprechen hingegen von drei Toten. Laut den nepalesischen Behörden gelten 910 Personen als vermisst, darunter 517 Ausländer. Die chinesischen Behörden in Tibet melden 558 Vermisste, davon 260 Ausländer.
Während die Rettungsteams weiter im eiskalten Schlamm nach Vermissten suchen, warnen Experten bereits vor neuen Überschwemmungen. Die UNO hat zwei Millionen Dollar für medizinische Nothilfe, sauberes Trinkwasser und Notunterkünfte bereitgestellt. Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO hat medizinisches Material geschickt, um bis zu 10.000 Menschen versorgen zu können.
Ursprünglich hatte die US-Erdbebenwarte USGS am Mittwoch von einem Erdbeben in der Region berichtet. Später wurde jedoch bekannt, dass die Sturzflut durch den Bruch eines Gletschers ausgelöst wurde. Die Wassermassen haben sich auf einer Strecke von fast 170 Kilometern durch teils enge Täler gewälzt und dabei ganze Dörfer fortgerissen.
Niels Hovius vom Helmholtz-Zentrum für Geoforschung zeigte sich in der ZIB2 über das Ausmaß der Sturzflut überrascht. Ein derart zerstörerisches Ereignis habe er noch nie gesehen, geologisch sei es aber nicht völlig unerwartet.
Weitere Sturzfluten seien laut dem Experten wahrscheinlich, dürften jedoch deutlich schwächer ausfallen. Verhindern könne man solche Ereignisse nicht, entscheidend sei daher ein wirksames Frühwarnsystem.