Ab 3. Juli rückt das Untere Belvedere eine außergewöhnliche Künstlerin ins Rampenlicht: Mit "Erna Rosenstein – Jenseits der Stille" ist erstmals in Österreich eine große Retrospektive der polnischen Nachkriegsavantgarde-Pionierin zu sehen. Rund 80 Gemälde, Zeichnungen, Assemblagen und Gedichte erzählen von Krieg, Flucht, Verlust – aber auch von Widerstand, Hoffnung und künstlerischer Freiheit.
Rosensteins Leben war von den Schrecken des Zweiten Weltkriegs geprägt. Ihre Eltern wurden auf der Flucht vor den Nationalsozialisten ermordet, sie selbst überlebte nur knapp. Diese traumatischen Erlebnisse verarbeitete die Künstlerin jahrzehntelang in ihren Werken – mal expressiv und figurativ, mal surreal oder abstrakt. Erinnerung wird dabei nicht als abgeschlossene Geschichte verstanden, sondern als etwas, das immer wieder neu erlebt und hinterfragt werden muss.
Spannender Sidefact: Rosenstein hatte auch einen engen Bezug zu Wien. Anfang der 1930er-Jahre studierte sie an der Frauenakademie, engagierte sich politisch und erlebte die Februarkämpfe 1934 hautnah. Die Werke aus dieser Zeit gingen allerdings im Krieg verloren oder wurden zerstört.
Neben ihrer Malerei faszinieren vor allem ihre ungewöhnlichen Assemblagen. Aus weggeworfenen Alltagsgegenständen schuf sie poetische, manchmal ironische Kunstwerke, die zum Nachdenken anregen. Auch ihre rätselhaften Bildtitel und Gedichte machen deutlich, wie eng Sprache und Kunst für Rosenstein miteinander verbunden waren.
Die Ausstellung läuft von 3. Juli 2026 bis 10. Jänner 2027 im Unteren Belvedere.