Home Schooling gnadenlos – es regnet Fünfer im Zeugnis

Jeden Montag gibt Schuldirektor Niki Glattauer in "Heute" Noten.
Jeden Montag gibt Schuldirektor Niki Glattauer in "Heute" Noten.heute.at
Schuldirektor Glattauer gibt Noten. Heute: "Herr Minister, setzen Sie die Noten aus!"  Und: "Statt Milde gab's Strenge, Druck und 5er".

Semesterende im Osten. Die Schulnachrichten sind geschrieben (wenn auch noch nicht ausgeteilt). Aber was für Noten! Statt Milde haufenweise "Nicht genügend"! Jetzt fordert eine prominente Geschäftsfrau und Mutter einer HTL-Schülerin, die Noten "auszusetzten". Es handelt sich um Dr. Gundi Wentner, Gründungspartnerin von Deloitte Österreich. Sie war seinerzeit führende Proponentin des Hannes-Androsch-Bildungsvolksbegehrens.

Am Ende eines alarmierenden Briefes (Auszug unten) schreibt sie: "Minister und Generalsekretär haben von 'Milde' gesprochen, aber jetzt braucht es unmissverständliche Regelungen. Ich glaube, das Mindeste, was das Ministerium tun kann, ist die ganz klare Ansage, dass heuer niemand durchfällt. Ich würde überhaupt die Noten aussetzen. Die Schüler haben in diesem Jahr etwas anderes gelernt: Selbstmotivation und -organisation, digitale Kompetenzen, mit einer Krise umgehen – Dinge, die viel wichtiger sind."

Note: nicht genügend

Glattauer gibt Noten
Niki Glattauer ist seit 20 Jahren Lehrer in Wien, aktuell Direktor des "SZ-FIDS" in Meidling. Dazu hat er 13 Bücher geschrieben.
Jeden Montag vergibt er in einer Kolumne für "Heute" Schulnoten.

Alle seine Artikel finden Sie hier.

"Statt Milde gab's Strenge, Druck und 5er"

So erlebte Leadership-Doyenne Dr. Gundi Wentner das 1. Semester ihrer 18-jährigen Tochter: "Die Unterrichtsqualität war so schlecht, dass es häufig an Satire grenzte. Trotzdem wurde streng benotet: 5er auf Schularbeiten in Mathematik und Deutsch. 5er im Semesterzeugnis. Jetzt hat der Klassenvorstand angekündigt, dass heuer viele durchfallen werden… Ich weiß, dass die Situation für alle schwierig ist. Die Lehrenden scheinen auch ziemlich allein gelassen und machen das, was sie selber in der Schule gelernt haben: überall Fehler suchen, nur nicht bei sich. Viele Jugendliche leiden unter Depressionen. Es gibt niemanden, der sich um sie kümmert. Statt Ermutigung Entmutigung, statt persönlicher Nachfrage schlechte Noten und unglaublicher Druck. Ich bin davon überzeugt, dass dieses Jahr viele Jugendliche die Zukunft kostet. Nicht, weil sie eine Klasse wiederholen müssten, sondern weil sie aufgeben werden…"

Note: Nicht genügend

Schulen werden öffnen! Jetzt Test-Pflicht!

Wie mir ein Mäuschen flüstert, ist es seit Samstag beschlossene Sache: Die Schulen werden nach den Semesterferien geöffnet. Sehr gut so, denn inzwischen gibt es ein Sicherheitsinstrument: die Selbsttests! Knapp die Hälfte der fünf Millionen bestellten "Nasenbohrer"-Tests ist inzwischen ausgeliefert, 14 weitere Millionen sollen folgen. Genug Stoff also, um Lehrerinnen und Schüler bis zu zwei Mal pro Woche testen zu können.

Umso mehr muss jetzt eine Testpflicht her. Nur wer einen negativen Test vorzeigen kann, soll in den Unterricht dürfen. Für Lehrer, die ihn verweigern, muss es unbezahlte Dienstfreistellungen geben. Schüler ohne Test verwirken ihr Recht auf Unterricht. Basta. Denn das Recht auf Leben ist vorrangig. Vergessen wir nicht: Jede Woche sterben in Österreich 300 (!) Menschen an Corona.

Note: Sehr gut
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