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Das ist die Weltneuheit beim Huawei Mate 20 Pro

Huawei hat das Mate 20 Pro enthüllt – das erste Handy, das andere Geräte kabellos laden kann. Was es noch kann, zeigt ein kurzer Test.

Heute Redaktion
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Mit dem Anfang des Jahres vorgestellten P20 Pro hat der chinesischen Konzern Huawei eine Dreifach-Kamera als Weltneuheit bei Smartphones eingeführt – und sämtliche Foto-Bestenlisten gesprengt. Nun schickt sich das Unternehmen an, mit dem Mate 20 Pro wieder der Smartphone-Vorreiter zu sein. Nicht nur durch eine gänzlich neue Funktion, auch durch Verbesserungen mit Augenmaß. Das Handy ist ganz auf Tempo ausgerichtet.

Premiere mit kabelloser Ladung

In dem Smartphone, das in London vorgestellt wurde, steckt neben kabellosem Laden auch "Reversed Charging". Dabei kann ein kabellos ladbares Mobilgerät auf den Glasrücken des Mate 20 Pro gelegt werden und zieht sich dabei automatisch Strom vom Smartphone. Wie viel an Batterieleistung das Mate dabei einbüßt und wie schnell andere Mobilgeräte oder Kopfhörer damit geladen werden, muss es aber erst in der Praxis beweisen. "Heute" konnte auch die weiteren Neuerungen und Verbesserungen schon vor der Präsentation kurz antesten.

Wie beim P20 Pro gibt es auch beim Mate 20 Pro drei Kameras auf der Rückseite. Sie sind nun mittig in einem Quadrat angeordnet und stehen wieder leicht aus dem Gehäuse hervor. Die zusammen mit Leica entwickelten Linsen knipsen mit 40 Megapixel im Weitwinkel, 8 MP im Tele und 20 MP im neuen Ultra-Weitwinkel, der rund 110 Grad erfasst. Erste Tests zeigen, dass die Bildqualität jene des Vorgängers noch einmal toppen kann. Zudem lassen sich nun noch größere Szenen auf ein Bild bringen.

Tolle Kamerafunktionen geerbt

In der Testumgebung im ungarischen Budapest gab es verschiedene Stationen, die die Stärken des Mate 20 Pro hervorheben sollten. Stark zeigte sich dabei auch die Makro-Fotografie des Geräts: Bei Nahaufnahmen und Zooms mit nur rund 2,5 Zentimeter Abstand zu den Linsen entstehen hervorragend scharfe Bilder.

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Geerbt hat das Mate vom P20 auch die tollen Bildstabilisierungs- und Foto-Funktionen in dunklen Umgebungen dank der Künstlichen Intelligenz. Plus: Ein eigener Unterwassermodus lässt das Gerät abtauchen. Bei einem Schutz von IP68 allerdings besser mit wasserdichter Hülle. IP68 bedeutet nämlich, dass das Gerät bei einer Wassertiefe von einem Meter rund 30 Minuten wasserdicht ist.

Schlichtes, neues Design

Viel hat sich am Design des Mate getan. Der Fingerabdruckscanner ist unter das Display verschwunden – auch ein Merkmal, über das noch nicht viele Smartphones verfügen. Der "Notch" mit verbauten Sensoren und Frontkamera (24 MP "FusionPixel") wurde breiter als beim P20 und P20 Pro, dafür besteht die ganze restliche Front beinahe nur noch aus dem 6,39 Zoll OLED-Display (3.120 x 1.440 Pixel). Dieses ist zu den Seiten hin abgerundet, wie man es von "Edge"-Modellen anderer Hersteller kennt. Glas-Vorderseite und -Rückseite sind von einem fast nicht bemerkbaren Metallrahmen eingefasst.

Auf der Hinterseite gibt es wenig Design-Experimente: Das quadratische Kamera-Element ist der einzige Hingucker. Auch bei den Farben blieb man dem P20 Pro treu. Neben dem auffälligen "Twilight" gibt es auch Schwarz und Blau. Ein kleines Highlight gibt es dann doch: Während die schwarzen und "Twilight"-Modelle eine glatte Rückseite besitzen, ist sie beim blauen Modell geriffelt. Das Muster ist einer Schallplatte nachempfunden und solle einen ebensolchen Klang von sich geben, wenn man darüber kratzt. Zudem soll das Muster Fingerabdrücke besser abweisen und grifffester sein.

Schnelligkeit als Schwerpunkt

Schon die Ausstattung deutet darauf hin, dass es Huawei beim Mate 20 Pro aufs Tempo abgesehen hat. An Bord sind neben dem nun erweiterbaren 128 GB internem Speicher auch 6 GB Arbeitsspeicher, USB 3.1, Schnellladefunktionen, Dual-SIM, 4.200 mAh Akku, Bluetooth 5.0 und die neueste LTE-Kategorie 21 (bis zu 1,732 Gigabit pro Sekunde im WLAN). Herzstück ist aber der hauseigene Kirin 980 Octa-Core-Chip. Dessen Künstliche Intelligenz lässt Apps nun um rund 50 Prozent schneller starten und laufen.

Die KI kann über die Kamera nun 4.600 Bilder pro Minute erkennen, insgesamt steigt die Rechenleistung um rund 75 Prozent im Vergleich zum Vorgänger-Prozessor. Für Kreative liefert die Videoaufnahme verschiedene Filmatmosphären, Szenen wie aus "Sin City" mit Farbelementen auf schwarz-weißem Hintergrund sind möglich. Das Betriebssystem EMUI 9.0, basierend auf Android 9.0 Pie, wurde außerdem verschlankt. Rund jeder zehnte Menüpunkt wurde gestrichen oder neu und übersichtlicher angeordnet. Zudem kann das Gerät nun ganz kabellos mit einem passenden Monitor in einen Desktop-Modus versetzt und als "normaler" Computer genutzt werden.

Huawei bewirbt das Mate 20 Pro mit dem Slogan "Eine höhere Intelligenz kommt". Die KI muss sich aber erst beweisen. Vorab sind nur Verbesserungen bei der Fotografie bemerkbar, im Nutzungsalltag zeigen sich noch keine intelligenteren Funktionen als bei anderen Flaggschiff-Modellen. Möglich, dass Huawei hier Software-Updates nachlegt, die die KI beeindrucken lassen. Die Kopfhörer-Klinkenbuchse feiert auch kein Comeback.

Ein großes Fragezeichen steht noch hinter dem "Reversed Charging": So innovativ die Technologie ist, so unklar ist sie. Hier wird erst ein ausführlicher Test zeigen, ob Ladegeschwindigkeit und Akkuverlust das Feature nicht nur ein geschickter Marketing-Schachzug sind. Und mehr Mut hätte man sich beim Design wünschen können. Das Kamera-Quadrat auf der Rückseite wirkt etwas altbacken, die "Edge"-Leisten sind derzeit noch ohne Zusatzfunktion

Das Gehäuse selbst wirkt zwar hochwertig, aber nicht innovativ, sondern wie ein Mix aus dem Apple iPhone XS und dem Samsung Galaxy Note 9. Verzichten müssen wird man hierzulande wahrscheinlich auf die neue grüne und pink-goldene Gerätefarbe. Knackpunkt ist aber vor allem der Preis: mit 999 Euro liegt das Mate 20 Pro gleichauf mit dem ebenso stark ausgestatteten Note 9, dem wohl schärfsten Konkurrenten des Business-Geräts.

Mit der Kameratechnik untermauert Huawei wohl seinen Posten als Platzhirsch im Smartphone-Sektor. Neue Funktionen wie Kinomodi bei 4K-Videoaufnahmen, neue Tiefenschärfe-Modi und der Ultra-Weitwinkel bei Bildern lassen Fotografen-Herzen höher schlagen. Zudem brach Huawei mit einer eisernen Regel und hat einen OLED-Bildschirm mit HDR-Unterstützung und einer Auflösung von 3.120 x 1.440 Pixel verbaut. Bisher hielt man bei FullHD+ fest, beim Mate 10 Pro gab es "nur" 2.160 x 1.080 Pixel.

Eines unserer Hardware-Highlights ist der ins Display integrierte Fingerabdruck-Sensor, der gewohnt zuverlässig reagiert. Zudem gibt es nun einen mittels neuer nanoSD-Karte erweiterbaren Speicher und stärkeren IP-Schutz vor Wasser und Staub. Design-Primus ist das blaue Smartphone, das mit seiner Rillen-Rückseite gefällt und zudem das Problem von Fingerabdrücken mindert.

Gut und sicher halten sich alle Farbmodelle trotz der "Edge"-Kanten in der Hand. Letztlich stark ist einmal mehr die Ausstattung bei Smartphone-Chip, Arbeitsspeicher und dem verbauten Akku. Besonders Vielnutzer dürften mit der Batterie-Ausdauer und der Schnellladung auf ihre Kosten kommen. Dass das Smartphone ohne Kabel per Monitor zum Computer gemacht werden kann, beeindruckt ebenfalls.

Das Huawei Mate 20 Pro soll in Österreich ab dem 5. November zum Preis von 999 Euro erhältlich sein. Neben dem Top-Modell stellt Huawei auch weitere Mate-20-Modelle sowie eine neue Smartwatch und Zubehör vor. "Heute" wird auch diese genau unter die Lupe nehmen, ob sie überhaupt nach Österreich kommen ist noch unklar. Das Mate 20 Lite ist bereits erschienen, den Test gibt es hier.