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Huawei Nova Y90 im Test: Nicht nur dank Ring ein Star

Huawei startet mit zwei neuen, preiswerten Smartphones. Das Huawei Nova Y90 bringt den "Space Ring" zurück, zeigt sich aber auch abseits als Star.

Rene Findenig
Das Huawei Nova Y90 bringt das ikonische "Space Ring"-Design zurück, das wir zuletzt beim Hightech-Flaggschiff Mate 40 Pro sahen.
Das Huawei Nova Y90 bringt das ikonische "Space Ring"-Design zurück, das wir zuletzt beim Hightech-Flaggschiff Mate 40 Pro sahen.
Heute

In Istanbul hat Huawei kürzlich die beiden neuen Smartphone Nova Y90 und Nova Y70 aus der Tasche gezaubert, nun sind sie bereits in Österreich zu haben. "Heute" hat sich das Y90, das in anderen Teilen der Welt auch unter dem Namen Huawei Enjoy 50 Pro erschienen ist, deswegen ganz genau angeschaut. Am Papier ist das Smartphone mit einer 50-Megapixel-Dreifachkamera, einem 5.000-Milliamperestunden-Akku und einem 6,7-Zoll-LCD-Display stark ausgestattet – wenn man den Preis von nur 269 Euro betrachtet. Als Farben gibt es hierzulande beim Modell "Crystal Blue" und "Midnight Black".

Doch kann das Gerät auch in der Praxis überzeugen? Das Design schafft das mal locker. Das Huawei Nova Y90 bringt das ikonische "Space Ring"-Design zurück, das wir zuletzt beim Hightech-Flaggschiff Mate 40 Pro sahen. Heißt: Das Kameramodul auf der Rückseite des Handys hebt sich aus dem Gehäuse hervor (allerdings nicht so sehr, dass es beim Ablegen auf Oberflächen wackelt) und zeigt sich in Form eines riesigen Kreises. In diesem sind symmetrisch platziert vier Sensoren – drei für das Kamera-System plus ein Blitz – zu finden. Verwechslungsgefahr mit anderen Marken gibt es keine.

Oho-Effekt auf der Rückseite des Smartphones

Eine weitere Besonderheit zeigt sich auf der Rückseite des 163,3 x 74,7 x 8,4 Millimeter großen und 195 Gramm leichten Geräts. Die Oberfläche zeigt sich zwar matt, aber anders als bei bisherigen Modellen ganz leicht glitzernd und aus Kunststoff statt aus Glas. Das ist kein Nachteil, denn der ungewohnte Mix lässt zumindest das schwarze Testmodell so wirken und anfühlen, als würde der Rücken aus beinahe aus einem Leder-Material bestehen. Fingerabdrücke werden dadurch gut ferngehalten. Um das Smartphone herum schwingt etwas dickerer Metallrahmen, der das Gerät massiv wirken lässt.

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    Das Huawei Nova Y90 bringt das ikonische "Space Ring"-Design zurück, das wir zuletzt beim Hightech-Flaggschiff Mate 40 Pro sahen.
    Das Huawei Nova Y90 bringt das ikonische "Space Ring"-Design zurück, das wir zuletzt beim Hightech-Flaggschiff Mate 40 Pro sahen.
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    Der Vorteil des etwas dickeren Ausführung: Das Gerät hält sich weit besser und nicht so rutschig in der Hand wie seine dünnen Kollegen im Glas-Design. Ganz so edel wirkt das Smartphone dafür aber im Vergleich nicht – aber keine Sorge, die Verarbeitung ist wie von Huawei gewohnt top: Nichts wackelt, nichts knarzt und es gibt keine unschönen Spalten oder Lücken. Auf der Vorderseite setzt sich der Eindruck, dass es sich um ein Gerät der Mittelklasse handelt, fort: Der flache Bildschirm besitzt oben und an den Seiten ultradünne Ränder, unten am Display fällt der Balken etwas breiter aus.

    Sehr gute Verarbeitung, aber knapper Speicher

    Noch kurz zurück zum Rahmen. Fast überhaupt nirgends mehr zu finden, aber das Huawei Nova Y90 hat ihn noch: einen klassischen 3,5-Millimeter-Kopfhöreranschluss an der Oberseite. Ansonsten gibt es rechts die Lautstärkewippe und den Power-Knopf (der gleichzeitig der Fingerabdrucksensor ist) und an der Unterseite den Lautsprecher, die USB Type-C-Ladebuchse (USB 2.0) und den SIM-Kartenschacht. Kleines Manko: Der Speicher ist auf 128 Gigabyte limitiert (andere Speicher-Größen gibt es nicht) und eine Speichererweiterungskarte kann bei diesem Handy-Modell nicht genutzt werden.

    Das flache LCD-Display, Huawei nennt es "Edgeless FullView Display", ist mit 6,7 Zoll riesig ausgefallen und löst mit 1.080 × 2.388 Pixel auf. Das ist zwar kein Rekordwert, reicht aber für das Surfen, Lesen und Filme schauen locker aus – und spart dazu jede Menge Akkuleistung. Nicht, dass das Gerät dies nötig hätte, denn der Akku ist mit 5.000 Milliamparestunden gewaltig ausgefallen. Selbst Vielnutzer schaffen es fast nicht, die Batterie des Modells an nur einem Tag in die Knie zu zwingen – Durchschnittsnutzer kommen mit einer Ladung zwei bis zweieinhalb Tag aus. Eine beachtliche Leistung.

    Grandioser Kompromiss zwischen Display und Akku

    Bleiben wir noch kurz bei Display und Akku, die spielen sich nämlich auch nicht in anderen Bereichen gegenseitig den Ball zu. So verfügt das Display über eine automatische Helligkeitsanpassung und in Maximalstufe über eine Helligkeit, die ein Ablesen bei Sonneneinstrahlung gerade noch ermöglicht – sowie über eine maximale Bildwiederholrate von 90 Hertz für flüssiges Bedienen und Nutzen des Displays. Alle Bereiche liegen unter den Standard-Werten für Smartphone-Flaggschiffe, spielen aber dem Akku noch weiter in die Hände und ermöglichen die extrem ausdauernden Laufzeiten des Geräts.

    Neben einer gut funktionierenden automatischen Dimmung des Displays und einem Augenkomfort-Modus, der blaues Licht filtert, gibt es auch einen eigenen E-Book-Modus am Nova Y90. Dieser schaltet den Bildschirm des Handys auf Schwarz-Weiß um, was das Lesen langer Texte angenehmer macht. Ebenfalls nicht mehr Standard: Huawei legt Schutzhülle, Ladekabel und Ladeadapter dem Lieferumfang bei. Kabelloses Laden ist beim neuen Huawei Nova Y90 nicht möglich, dafür geht es per Kabel mit 40 Watt fast rasant zu – in knapp einer Stunde ist der leere Akku des Modells wieder vollkommen geladen.

    Ohne Google, aber das schreckt nicht mehr so sehr ab

    Im Inneren des Geräts arbeitet ein Qualcomm Snapdragon 680 Prozessor mit sechs Gigabyte Arbeitsspeicher an seiner Seite – eine gute Mittelklasse-Ausstattung, die Multi-Tasking und sogar ein bisschen Handy-Gaming ermöglicht. 5G gibt es nicht. Wie fast alle jüngeren Huawei-Produkte kann das Smartphone auch zum "Super Device" werden oder in ein solches Huawei-Ökosystem eingebunden werden, um nahtloses Arbeiten zu ermöglichen. Nutzer können dann beispielsweise vom PC auf ohne kompliziertes Verkabeln und Herumdrücken auf das Smartphone zugreifen und Bilder oder Dokumente bearbeiten.

    Als Betriebssystem kommt HarmonyOS mit der Benutzeroberfläche EMUI 12 zum Einsatz. Google Mobile Services (GMS) gibt es weiter nicht auf den neuen Huawei-Smartphones, mittlerweile hat Huawei aber seine Huawei Mobile Services (HMS) und den hauseigenen App-Store, die AppGallery, dermaßen gut aufgebaut, dass es auch "ohne Google" funktioniert. Wer sich unsicher ist, sollte das "Google-freie" Smartphone einfach mal ausprobieren, das stark an Android erinnernde System hat mächtig aufgeholt. Nach dem Test können wir nur unsere Eindrücke bei den jüngsten Huawei-Modellen wiederholen.

    Für Österreich sind mittlerweile fast alle Apps verfügbar

    Neben Diensten wie Huawei Assistant, Huawei Music oder Huawei Video und Huawei AppGallery kann man auch auf App-Alternativen wie Petal Maps, E-Mail und Cloud Drive statt Google-Apps zurückgreifen. Petal Search findet zudem Apps, die nicht in der AppGallery, aber dafür in anderen Quellen enthalten sind. Mittlerweile finden sich so gut wie alle für Österreich wichtigen Apps in der AppGallery, vom Banking über Social-Media- und Messengerdienste bis hin zu Medien, den Rest findet man über Huaweis App-Suchdienste, die Huawei ebenfalls noch zusätzlich bereitstellt.

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      Bei Tageslicht gibt es mit dem Huawei Nova Y90 Fotos mit natürlichen Farben, wobei den Details etwas die Schärfe fehlt, die Bilder aber durchaus brauchbar sind.
      Bei Tageslicht gibt es mit dem Huawei Nova Y90 Fotos mit natürlichen Farben, wobei den Details etwas die Schärfe fehlt, die Bilder aber durchaus brauchbar sind.
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      Quick Apps und Petal Search nennen sich diese – letztgenannter Dienst hält sogar wie die hauseigene AppGallery die Anwendungen mit Updates auf dem neuesten Stand – leisten mittlerweile gute Alltagsarbeit. Was man allerdings weiter tun muss: sich beim Einrichten die gewünschten Apps selbst zusammenstellen. Das dauert beim Erststart des Geräts eine Weile, hat man das aber einmal erledigt, läuft es wie geschmiert und wie von Android-Handys gewohnt – auch der Großteil der so zusammengesuchten Apps spielt dann automatisch die neuesten Anwendungs-Updates ein.

      In schwierigen Situationen zeigt sich die Kamera stark

      Stark, aber nicht unbedingt spektakulär, ist die Kamera-Ausstattung des Nova Y90. Auf der Vorderseite knipsen gewöhnliche 8 Megapixel (MP) Selfies mit Bokeh-Effekt, auf der Rückseite kooperieren eine hochauflösende 50-MP-Hauptkamera, eine 2-MP-Makrokamera und eine 2-MP-Tiefenkamera. In der Praxis heißt das: Bei Tageslicht gibt es Fotos mit natürlichen Farben, wobei den Details etwas die Schärfe fehlt, die Bilder aber durchaus brauchbar sind. Bei Dämmerung und schwindendem Licht hält sich das Smartphone ganz gut, nur in schwärzester Nacht kommt es zu durchwachsenen Ergebnissen.

      Mit Stativ und Extra-Nachtmodus sind auch in Dunkelheit tolle Fotos möglich, aus der Hand geknipst ist die Chance auf schöne Bilder aber geringer und die Fotos verschwimmen teils stark. Eine Auswahl an Foto-Situationen zeigt die Bildershow oben. Freuen darf man sich über viele Foto-Funktionen: Bilder lassen sich zeitgleich mit Front- und Rückkamera machen oder Clips mit nur einem Tipp auf Vorlagen erstellen. Das Huawei Nova Y9 zeigt sich im Test als Top-Handy in seiner Preisklasse, wobei vor allem die starke Akku-Ausstattung und die Kamera-Qualitäten sowie das schicke Handy-Design auffallen.

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