Die Vorstellung von menschenähnlichen Robotern, die uns im Alltag zur Seite stehen, ist seit Jahrzehnten ein Dauerbrenner in der Science-Fiction. Milliarden fließen derzeit in die Entwicklung solcher Maschinen, Tech-Größen wie Elon Musk versprechen eine baldige Roboter-Revolution. Doch jetzt mehren sich die kritischen Stimmen - und die haben gewichtige Argumente.
Die zentrale These lautet: Humanoide Roboter sind Alleskönner und doch Meister in nichts. Für die allermeisten Aufgaben seien sie viel zu aufwendig konstruiert, für den Rest viel zu simpel. Statt den menschlichen Körper nachzubauen, sollte man lieber auf spezialisierte Maschinen setzen, die für ihren jeweiligen Einsatzzweck perfekt zugeschnitten sind.
Wie computerwoche.de berichtet, liegt die eigentliche Zukunft der künstlichen Intelligenz in sogenannten Weltmodellen. Dabei lernt eine KI nicht einzelne Handlungen zu imitieren, sondern versteht die grundlegenden Prinzipien der physischen Realität - also wie Objekte miteinander interagieren und wie Kräfte wirken. Solche universellen Modelle könnten künftig verschiedenste Roboterkörper mit minimaler Anpassung steuern.
Nicht nur Wissenschaftler sind skeptisch. Auch erste Investoren warnen vor einer möglichen Finanzblase im Roboter-Bereich. Allein im vergangenen Jahr dürfte die Branche mehrere Milliarden Dollar an Kapital eingesammelt haben. Der renommierte MIT-Forscher Rodney Brooks, der sich seit den 1980er-Jahren mit Robotik beschäftigt, hält den Ansatz vieler Start-ups für grundlegend falsch.
Ein zentrales Problem ist etwa die enorme Komplexität der menschlichen Hand mit ihren rund 17.000 spezialisierten Tastrezeptoren - ein Niveau, das heutige Roboter nicht annähernd erreichen. Selbst Musk räumte ein, die Entwicklung der Hände sei "eine unglaublich schwierige technische Herausforderung".
Anstatt für jede Aufgabe einen einzelnen humanoiden Roboter zu bauen, schlagen Experten ein radikal anderes Konzept vor: das sogenannte Supernet. Die Idee dahinter ist ein global verteiltes Netzwerk automatisierter Fabriken, in dem eine KI neuartige Roboter entwirft, die perfekt auf bestimmte Aufgaben abgestimmt sind. Andere Roboter fertigen diese dann - teils im 3D-Druck, teils über spezialisierte Knotenpunkte im Netzwerk.
Das Besondere: Dieses System kann sich selbst warten und weiterentwickeln. Es optimiert sich rekursiv, ähnelt also eher einem lebendigen Organismus als einer traditionellen Fabrik. Roboter könnten dabei so gebaut werden, dass sie leicht recycelbar oder für neue Aufgaben umkonfigurierbar sind - ein deutlich nachhaltigerer Ansatz als die Massenproduktion humanoider Einheitsmodelle.
Ganz verschwinden werden menschenähnliche Roboter wohl nicht. In Räumen, die für Menschen gebaut wurden, haben sie weiterhin ihre Berechtigung. Allerdings werden die humanoiden Roboter von 2035 mit den heutigen Prototypen so viel gemeinsam haben wie ein modernes Smartphone mit einem Telefon mit Wählscheibe. Die Zukunft der Robotik, so der Tenor der Fachleute, liegt nicht in der Nachahmung des Menschen - sondern in intelligenten Systemen, die weit darüber hinausgehen.