Wissensmacht

Wikipedia wird 25: Zwischen Schwarmintelligenz und KI

Wikipedia feiert 25 Jahre. Das Online-Lexikon steht vor neuen Herausforderungen durch Künstliche Intelligenz und kämpft um Vertrauen.
Digital  Heute
13.01.2026, 20:15
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Seit 25 Jahren gibt es Wikipedia. Die Online-Enzyklopädie bekommt es immer mehr mit Konkurrenz durch Künstliche Intelligenz zu tun. Wirf mit mir einen Blick auf die Geschichte und Zukunft von Wikipedia.

Wie ist Wikipedia entstanden?

Am 15. Jänner vor 25 Jahren haben der Internet-Unternehmer Jimmy Wales und der Philosoph und Autor Larry Sanger in den USA Wikipedia gegründet. Die Wissensplattform hat es rasant in die Top Ten der meistgenutzten Seiten weltweit geschafft und hält sich dort bis heute. Das Wort "wiki" kommt übrigens aus Hawaii und heißt so viel wie "schnell".

Wie viele Artikel gibt es auf Wikipedia?

Laut eigenen Angaben umfasst Wikipedia rund 65 Millionen Artikel in über 300 Sprachen. Mehr als 7,1 Millionen davon sind auf Englisch, die deutschsprachige Wikipedia kommt mit fast 3,1 Millionen Artikeln auf Platz zwei.

Wie funktioniert Wikipedia eigentlich?

Wikipedia lebt vom Prinzip der Schwarmintelligenz und ist typisch fürs interaktive Web 2.0. Fast 250.000 Freiwillige arbeiten daran, die Inhalte aktuell zu halten, Zitate einzufügen und Quellen zu überprüfen. Fest angestellt sind dagegen nur sehr wenige: Beim Verein Wikimedia Deutschland sind es laut eigenen Angaben nur rund 180 Leute.

Wie finanziert sich Wikipedia?

Fast ausschließlich durch Spenden. Bei der letzten Kampagne im Dezember sind rund acht Millionen Euro zusammengekommen. Es gibt auch ein kommerzielles Produkt namens Wikimedia Enterprise, das Unternehmen maßgeschneiderte Daten liefert – die Einnahmen daraus sind aber gering.

Welche Artikel werden am meisten gelesen?

2025 war der englische Artikel über den ermordeten US-Aktivisten Charlie Kirk am gefragtesten, laut Wikimedia-Stiftung wurde er fast 15 Millionen Mal angeklickt. Präsident Donald Trump landete auf Platz vier, der neue Papst Leo XIV. auf Platz fünf.

Wie verlässlich ist Wikipedia?

Das wird schon seit der Gründung immer wieder hinterfragt. Wikipedia selbst sagt dazu: "Da Wikipedia nicht als verlässliche Quelle gelten kann, wird die Verwendung von Wikipedia in vielen Schulen und Hochschulen beim Verfassen wissenschaftlicher Arbeiten nicht akzeptiert."

Warum sind Wikipedia-Einträge umstritten?

Die Hauptvorwürfe sind inhaltliche Fehler, "Vandalismus" durch Nutzer und veraltete Informationen. Laut einer Untersuchung der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" im Juli sei mehr als jede dritte Seite problematisch, nachdem sie tausend deutschsprachige Artikel geprüft haben. Die Wikipedia-Macher sagen aber, dass Fehler meist rasch von aufmerksamen Nutzern ausgebessert werden.

Ist Wikipedia politisch einseitig?

Das behauptet zumindest der reichste Mann der Welt, US-Tech-Milliardär Elon Musk. Er hat Wikipedia als "woke" und von "Linksaußen-Aktivisten" gesteuert bezeichnet. Musk verfolgt aber eigene Pläne: Er baut mit "Grokipedia" gerade ein Konkurrenz-Lexikon auf, das sein KI-Chatbot Grok verfassen soll.

Wie reagiert Wikipedia auf diese Vorwürfe?

Wikipedia sieht sich selbst als Gegenpol zu Falschmeldungen und politischem Druck. Mitgründer Wales hat im November aber zugegeben, dass es bei politisch sensiblen Themen manchmal an Ausgewogenheit fehlt. Besonders viel Kritik gab es zum Beispiel für den englischsprachigen Artikel über Israel. Dort stand, nach dem Großangriff der Hamas im Oktober 2023 habe Israel mit einem "Völkermord" an den Palästinensern im Gazastreifen begonnen.

Wie sieht Wikipedia-Gründer Wales die KI-Konkurrenz?

Zum 25. Geburtstag von Wikipedia sagte Wales bei Bloomberg TV, er glaube weiter an das Projekt. Menschen seien immer noch "sehr daran interessiert, qualitativ hochwertige Informationen zu finden" und Quellen, "denen sie vertrauen können". KI-Chatbots würden noch immer zu viele Fehler machen – sogenannte Halluzinationen, meinte er über ChatGPT, Gemini, Perplexity oder Grok.

Kann Wikipedia der KI auf Dauer standhalten?

Darüber wird schon länger diskutiert. In der englischen Wikipedia gibt es ein Team von Freiwilligen, das KI-generierte Inhalte aufspürt, ausbessert oder im Notfall sogar löscht. Solche Artikel sind laut Wikipedia aber noch selten. Ein größeres Problem ist laut Wales, dass Chatbots Wikipedia für ihre Antworten ausnutzen, ohne die Quelle anzugeben oder etwas dafür zu zahlen. Momentan gibt es keine Pläne, deswegen zu klagen, sagte der Ko-Gründer bei Bloomberg TV. "Wir sind da vielleicht zu nett."

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 14.01.2026, 07:18, 13.01.2026, 20:15
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