Wiener (38): "Darum habe ich 50 Jobs verloren"

"Ich habe bisher Aufträge im Wert von rund 10.000 Euro verloren", so der Wiener.
"Ich habe bisher Aufträge im Wert von rund 10.000 Euro verloren", so der Wiener.Daniel Schaler/ istock (Symbolbild)
Die Veranstaltungsbranche wurde durch die Pandemie lahmgelegt. Wie es war, plötzlich ohne Aufträge dazustehen, erzählt Wiener Marcus G.
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Amra Duric

Konzerte, Festivals Theatervorstellungen - die komplette Kultur-und Eventbranche wurde durch die Corona-Krise runtergefahren. Die Folge: Tausende Menschen haben ihre Jobs verloren. Einer von ihnen ist Wiener Marcus G. "Am 10. März hatte ich meinen letzten Arbeitstag. Einige Jobs, die ich vor Corona gemacht hatte, wurden einfach nicht bezahlt, weil die Unternehmen das Geld plötzlich selber dringend gebraucht haben. Meine Aufträge wurde bis in den Sommer hinein gecancellt. Alleine bis Mai habe ich durch die Pandemie locker 50 Jobs verloren", berichtet der Wiener, der sich als Beschaller und Beleuchter selbstständig gemacht hat, im Gespräch mit "Heute".

"Ich habe bisher Aufträge im Wert von rund 10.000 Euro verloren"

2013 hat sich der 38-Jährige selbstständig gemacht. Zu seinen Kunden zählen u.a. das Frequency-Festival, das Donauinsel-Fest, die Oper im Steinbruch, das Konzerthaus oder der Wiener Silvesterpfad. Der Großteil der Veranstaltungen wurde für dieses Jahr abgesagt. Für Marcus G. ein finanzielles Fiasko. "Besonders im Mai und Juni klingelt normalerweise täglich das Telefon. Durch die Corona-Krise habe ich bisher Aufträge im Wert von rund 10.000 Euro verloren und es wird noch mehr werden", so der Wiener. Denn: Es sind zwar wieder kleinere Veranstaltungen erlaubt, eine große Erleichterung ist das für die Branche jedoch nicht. "Da arbeiten dann vier Soundtechniker, anstatt 40. Selbst wenn mehrere Kleinveranstaltungen stattfinden ist das kein Gewinngeschäft".

"Durch die Corona-Krise habe ich bisher Aufträge im Wert von rund 10.000 Euro verloren und es wird noch mehr werden." Marcus G., Beschaller und Beleuchter

Vom Härtefall-Fond hat der Vater einer dreijährigen Tocher rund 1.500 Euro bekommen. Seine Familie würde er damit nur schwer durchbringen. "Meine Lebensgefährtin hat zum Glück noch ihren Job. Meine Rücklagen sind zum Teil schon verbraucht, bis Ende Juli haben wir noch ein wenig Spielraum, danach wird es knapp. Ich hoffe noch auf die ausstehenden Auftrags-Rückzahlungen." 

Job bei "Willkommen Österreich" war durch Corona weg

Ähnlich wie Marcus G. geht es seinem Branchenkollegen Fabian A. Der Veranstaltungstechniker ist seit 2012 selbstständig und hat seit Anfang März ebenfalls enorme Verluste verkraften müssen. "Im Schnitt betreue ich eine Großveranstaltung und drei kleinere Veranstaltungen pro Woche etwa. Ich habe etwa zwischen 7.000 und 10.000 Euro im Monat verloren", schildert der Niederösterreicher im Gespräch mit "Heute". Neben Firmenevents und Kongressen hätte der 30-Jährige unter anderem heuer auch am "4Gamechangers"-Festival und der Kinderhilfe Gala gearbeitet. Auch für die Sendung "Willkommen Österreich" war Fabian A. tätig. "Als die Show dann nicht mehr im Studio gedreht wurde, hatte ich auch diesen Job verloren." Um über die Runden zu kommen, musste der Veranstaltungstechniker auf sein Erspartes zurückgreifen. "Für April und Mai habe ich insgesamt 1.500 Euro aus dem Härtefall-Fond bekommen. Was mir aus der Corona-Krise am stärksten in Erinnerung geblieben ist, ist das Gefühl, aufeinmal den Boden unter den Füßen weggezogen zu bekommen. Die Einnahmen sind weggebrochen, aber trotzdem laufen die Wohn-, Büro und Lagerkosten weiter."

"Wir setzen uns nie selbst 'in Szene', sondern unsere Kunden und deren Produkte, Politiker, Vortragende, Künstler und Moderatoren. Das tun wir mit Professionalität, unermüdlichem Einsatz und Herzblut. JETZT müssen auch wir gehört werden!"

Musiker und Veranstalter wollen am Heldenplatz demonstrieren

Um nochmals auf die Probleme in der Veranstaltungsbranche aufmerksam zu machen, ruft die Initiative "Ohne Uns" am 15. Juni zu einer Demo auf. Die Kundgebung soll am Wiener Heldenplatz stattfinden. "Wir sind es leid, zu erklären warum unsere Branche in Nöten ist: das so Offensichtliche zu rechtfertigen", heißt es in der Ankündigung. "Die Absage bzw. Verschiebung von Veranstaltungen, Kongressen und Messen in Österreich und dem Ausland treffen die Branche mit bis zu 100% Umsatzeinbußen in den vergangenen Wochen hart. Viele der verlorenen Aufträge können in den kommenden Monaten nicht aufgeholt werden", so Stina Stani von der Initiative gegenüber "Heute". "Wir setzen uns nie selbst 'in Szene', sondern unsere Kunden und deren Produkte, Politiker, Vortragende, Künstler und Moderatoren. Das tun wir mit Professionalität, unermüdlichem Einsatz und Herzblut. JETZT müssen auch wir gehört werden!" Unterstützt wird die Kundgebung vor Ort unter anderem von Künstlern wie Kurt Ostbahn, Ina Regen, Norbert Schneider sowie Seiler & Speer.

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