Vegetarier am Balkan sein? Keine Chance!

Fleisch ist im ehemaligen Jugoslawien das Hauptnahrungsmittel. Ich aber bin gerade dabei, ein wenig umzudenken. Außer beim Urlaub in der alten Heimat. Da wird Urlaub von den guten Vorsätzen gemacht. Zwangsweise. Warum? Darum…
In Europa findet ein großes Umdenken statt. Fleisch wird immer seltener auf den Tellern gesehen. Und es wird auch immer öfters ungern auf den Tellern gesehen. Die Gründe sind schnell erklärt: Einerseits ist Klima aktuell ein großes Thema. Tierhaltung gehört mit rund 20 Prozent der Treibhausemissionen zu den wichtigsten Verursachern der globalen Erwärmung. Um dem entgegenzusteuern, wird vermehrt auf Rind, Schwein und Huhn verzichtet.

Am Balkan gibt's Cevapcici zum Frühstück



Mir persönlich ging es aber um etwas anderes. Ich bin ein großer Tierfreund. Daheim habe ich einen kleinen Pekinesen und zwei Kaninchen. Vor einigen Wochen habe ich zum Hasenkäfig geschaut, während ich auf dem Esstisch ein Schnitzel gegessen habe. Von einem Moment auf den anderen konnte ich panierte Fleischstücke nicht mehr mit meinem Gewissen vereinbaren. Ein totes Tier essen, während ich ein anderes streichle – das ging einfach nicht mehr.

Über diesen Blog

Hallo und herzlich willkommen zu "Hajde", dem Balkan-Blog auf "Heute.at"! Unser Blogger ist zwischen Sarma und Wiener Schnitzeln aufgewachsen. Wie das so ist? Er verrät's euch in seinen Kolumnen. Übrigens: "Hajde" bedeutet auf Deutsch so viel wie "Los geht's!"

Und was ist für euch typisch Balkan? Eure Inputs sind willkommen unter balkanblog@heute.at
Womöglich kein abwegiger Gedanke – wenn man nicht ein Balkaner wäre. Denn im ehemaligen Jugoslawien wird Fleisch gegessen. Zu jeder Tages- und Nachtzeit. Das ist eine Tatsache. Man findet kaum eine Speise im Süden, die ohne Fleisch auf dem Teller auskommt. Cevapcici, Pljeskavica oder einfach ein Steak. Gerne auch zum Frühstück. Das gehört nun mal dazu.

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Eine Enttäuschung für meine Mutter



Meine Freunde in Wien waren kurz verwirrt, nachdem ich mich "geoutet" habe, haben meine Wandlung aber dann doch recht schnell akzeptiert. Ich lasse mir jetzt eben Beilagen schmecken, wenn meine Kollegen ins Steakhouse gehen. I(s)st kein Problem für mich.



Ganz anders sah die Sache bei meinen Verwandten aus. Denen schmeckt meine neue Lebenseinstellung nicht ganz so gut. Meine Mama ist sowieso aus allen Wolken gefallen. Zuerst trinke ich keinen Alkohol, dann habe ich eine Svabica als Freundin und jetzt höre ich auch noch auf, Fleisch zu essen. Meine Mama hat es echt nicht leicht mit mir.

Richtig problematisch wurde aber die Zeit über Weihnachten und Silvester. Denn über die Feiertage fuhr ich nach Kroatien, um mit meiner Familie zu feiern. Ich wusste schon, dass es schwer sein würde, am Balkan vegetarisch zu leben. Dass es aber so endet, hätte ich nicht gedacht. Besser gesagt: Dass es so beginnt!

Kuchen ohne Speck



Denn den ersten Stopp machten meine Freundin und ich bei McDonald's. Als Vegetarier wahrscheinlich nicht die beste Option, aber immerhin hat der Mci einen Veggie-Wrap. Das nahm ich zumindest an, als ich einen bestellte. Als ich dann meinen ersten Bissen machte, dachte ich: "Das ist aber kein Gemüse-Nugget." Tatsächlich legten mir die Mitarbeiter in mein vegetarisches Menü ein Hühner-Nugget rein.

Tatsächlich darf man die Aktion den Balkanern nicht sonderlich übel nehmen. Bereits in einem vergangenen Blog berichtete ich über eine Balkan-Reise mit einem vegetarischen Freund. Damals erklärte ich meiner Familie das Essverhalten von ihm. Zumindest versuchte ich es, aber man winkte einfach nur ab und meinte augenrollend – "Svabo!" Dennoch versuchte man offenbar, auf seinen Wunsch einzugehen. Der Wille zählt, oder? Jedenfalls war er nun in der Pflicht, das halbe Huhn zu verputzen.

Apropos Familie: Der Verwandtschaft in Kroatien konnte ich meinen Lebenswandel gar nicht erklären. Es gab nämlich fast gar keine vegetarische Speise auf dem Tisch. Und wenn, dann war es eben eine Nachspeise. Manchmal wundert es mich, dass um die Kuchen nicht auch ein Stück Speck gewickelt wird.

Jedenfalls wollte ich nicht verhungern. Dann musste ich eben kurzzeitig mich selbst wohl betrügen. Am Balkan wird eine vegetarische Auszeit genommen. Da habe ich keine Chance. Das werde ich mir einfach eingestehen müssen.
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