"Nicht genug Imame in Österreich"

Ein Imam beim Gebet (Archivfoto).
Ein Imam beim Gebet (Archivfoto).Bild: iStock
IGGÖ-Chef Ümit Vural beklagt einen Mangel an Imamen in Moscheen in Österreich. In einem Interview nimmt er auch Stellung zur Debatte um einen neuen Feiertag für Muslime.
Der frischgewählte neue Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ), Ümit Vural, klagt über einen Mangel an Imamen in hiesigen Moscheen.

In einem APA-Interview gibt Vural an, es würden in insgesamt 65 Moscheen Geistliche fehlen. Zudem seien ausgewiesene ATIB-Imame als Gefährder der öffentlichen Sicherheit eingestuft und daher ausgewiesen worden.

Hinsichtlich der Karfreitags-Debatte wartet Vural indes ab, auch wenn viele Muslime den Wunsche nach einem eigenen Feiertag hegen.

CommentCreated with Sketch.18 Zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Im Mai steht der Fastenmonat Ramadan an - bis dahin soll es eine Lösung geben. Ausständig ist auch noch eine Entscheidung des Verfassungsgerichtshofs (VfGH), an den sich der türkische Moscheenverein ATIB nach der Ausweisung der Imame gewandt hat.

Ümit Vural, IGGÖ-Präsident beklagt, dass es zu wenig Imame in Österreich gibt.
Ümit Vural, IGGÖ-Präsident beklagt, dass es zu wenig Imame in Österreich gibt.
"Wir haben Moscheen ohne Imame"


"Jetzt ist es so, dass wir faktisch Moscheen ohne Imame haben", sagt der IGGÖ-Präsident. Er hoffe auf die März-Session des VfGH, die Imame-Ausbildung in Österreich könne nur eine langfristige Lösung sein.

Das Innenministerium hatte Imame wegen "der Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung" des Landes verwiesen, einige erhielten ein Einreiseverbot bis zu zehn Jahre. Die Rolle, die das Kickl-Ministerium dabei führte, sieht Vural kritisch: "Dass man Seelsorger als Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung definiert ist etwas, das ich in Österreich für nicht möglich gehalten hätte", so der IGGÖ-Präsident. Die Zuständigkeit sei vom Kultusamt an die Fremdenpolizei weitergegeben worden.

Kritik übt er auch an dem Vorhaben des Innenministeriums, die Qualifikation von Imamen nach der universitären Ausbildung extern bestätigt zu bekommen. Dies sei vielmehr Sache des Imam-Rates der Glaubensgemeinschaft, lässt er in dem APA-Interview wissen: "Ich muss doch die Legitimation haben zu entscheiden, wer in meiner Moschee als Imam predigen darf und wer nicht."



Scharfe Kritik übt Vural auch am Kopftuchverbot: Er kenne kein einziges Kind, das im Kindergarten ein Kopftuch trage. Aus Mangel an Betroffenen könne es daher auch zu keiner VfGH-Beschwerde kommen: "Wenn wir der Meinung sind, das betrifft jetzt alle, jeden vernünftigen Menschen mit Gewissen, dann müssen wir uns gemeinsam überlegen, wie wir diesem verfassungswidrigen Zustand ein Ende bereiten können", meint er allerdings.

"Islamischer Antisemitismus" ist ein "No-go"


Der IGGÖ-Präsident äußerte sich auch zu dem Vorwurf, es gebe einen "Islamischen Antisemitismus". Vural dazu: "Es kommen immer wieder neue Begriffe, zuerst war es der politische Islam. Ich kann nur sagen, Antisemitismus ist ein No-go. Es kann nicht sein, dass sichtbare Mitglieder einer Religionsgemeinschaft diskriminiert werden können." Hier hätten die österreichischen Juden die Solidarität der IGGÖ "und ich bin auch davon überzeugt, dass sie ihre Solidarität zeigen, wenn es um uns geht".

Vural will hinsichtlich der Aufklärung über den Holocaust nun Kontakt mit dem Vorsitzenden des Mauthausen Komitees (MKÖ), Willi Mernyi, aufnahmen. Sie kennen sich aus ihrer Tätigkeit als Kammerrat bei der Arbeiterkammer. "Wir haben uns ausgetauscht und jetzt habe ich ihn zu mir eingeladen. Und wir werden gemeinsam etwa planen", so Vural abschließend.

Mehr Storys:

Muslime laufen Sturm gegen diese Nike-Schuhe >>

Schächten: IGGÖ kritisiert neues Islam-Gesetz >>



(Red)

Nav-AccountCreated with Sketch. Red TimeCreated with Sketch.| Akt:
ÖsterreichNewsPolitikIslam-Debatte in Österreich

ThemaCreated with Sketch.Mehr zum Thema