Was für viele Einwohner von Triest gelebte Tradition ist, wurde für eine Urlauberin zum Ärgernis. Im berühmten Strandbad "El Pedocin" kam es am Samstagnachmittag zu einer lautstarken Auseinandersetzung um die dort geltende Geschlechtertrennung.
Auslöser war laut italienischen Medien eine ausländische Touristin, die gemeinsam mit ihrem Begleiter einen Bereich betrat, der ausschließlich Männern vorbehalten ist. Als eine Einheimische das Paar auf die Regeln der Badeanstalt aufmerksam machte, entwickelte sich daraus ein hitziger Streit.
Nach Angaben der Zeitung "Il Piccolo" kritisierten die Touristen die Aufteilung des Strandbades scharf. "Ihr lebt im Mittelalter", sollen sie dabei gesagt haben. Die Regelung bezeichneten sie demnach als diskriminierend und sexistisch.
Aus dem Wortgefecht entwickelte sich schließlich ein Tumult. Medienberichten zufolge kam es zu gegenseitigen Beschuldigungen und einzelnen Rangeleien. Mitarbeiter des Strandbades mussten einschreiten, um die Situation zu beruhigen und eine weitere Eskalation zu verhindern.
Das "El Pedocin" gilt als echte Besonderheit. Eine hohe Mauer trennt dort seit Beginn des 20. Jahrhunderts den Frauen- vom Männerbereich. Nach Angaben lokaler Medien handelt es sich um das letzte öffentliche Seebad Europas, in dem eine solche räumliche Trennung bis heute besteht.
Für viele Bewohner von Triest ist die Anlage ein Stück Stadtgeschichte. Kritiker sehen die Regelung hingegen als nicht mehr zeitgemäß an. Entsprechend sorgt das Strandbad immer wieder für Diskussionen.
Die Geschichte der Badeanstalt reicht bis ins Jahr 1903 zurück, als Triest noch Teil der österreichisch-ungarischen Monarchie war. Ursprünglich trennte ein Zaun die Badegäste, später wurde dieser durch eine Mauer ersetzt. Verändert wurde sie nur einmal: 1959 wurde der Frauenbereich vergrößert.
Bis heute erfreut sich das Bad großer Beliebtheit. Im Sommer besuchen laut Angaben vor Ort täglich rund 3.000 Menschen die Anlage. Ein Grund dafür sind die günstigen Eintrittspreise - ein Tag am Strand kostet lediglich einen Euro.
Mehr als 120 Jahre nach seiner Eröffnung sorgt das traditionsreiche Strandbad damit noch immer für hitzige Debatten.