Coronavirus

Impfung von Jugendlichen könnte noch im Juni starten

Karl Zwiauer, Mitglied des Nationalen Impfgremiums, rechnet mit einer Zulassung der Impfung für Jugendliche am Freitag.

Leo Stempfl
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Karl Zwiauer, Mitglied des Nationalen Impfgremiums und Professor für Kinder- und Jugendheilkunde
Karl Zwiauer, Mitglied des Nationalen Impfgremiums und Professor für Kinder- und Jugendheilkunde
ORF 2

Unter jungen Menschen ist die Inzidenz aktuell am höchsten. Trotzdem sitzen sie fünf Tage die Woche eng beieinander im Klassenraum und haben viele soziale Kontakte. Auch wenn kaum jemand wegen einer Corona-Erkrankung ins Krankenhaus muss, kämpfen einige mit Langzeitfolgen – Stichwort "Long Covid".

Bei ihnen sind die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna hochwirksam, eine Zulassung durch die EMA wird am Freitag erwartet. Danach braucht es nur noch die nationale Zulassung. Hier kommt Karl Zwiauer, Mitglied des Nationalen Impfgremiums und Professor für Kinder- und Jugendheilkunde ins Spiel. Am Donnerstag war er deswegen in der "ZIB 2" bei Lou Lorenz-Dittlbacher zu Gast.

Mitte Juni

Laut Zwiauer ist davon ausgehen, dass die EMA am Freitag die Zulassung geben wird, auch weil die USA und Kanada den Impfstoff bereits geprüft und angenommen haben. Trotzdem braucht es danach natürlich noch eine genaue Prüfung unter Rücksichtnahme der österreichischen Daten. Strategisch wäre jetzt eine sehr günstige Zeit, diese Impfungen durchzuführen, weil die Infektionen gerade sehr niedrig ist.

Aber ist das überhaupt nötig? Zwar leiden Jugendliche seltener unter der Infektion selbst, aber das Long-Covid-Syndrom ist ein Phänomen, das man auch im Jugendalter findet. Er selbst habe gerade erst eine Jugendliche getroffen, die dadurch aus ihrer Lebensbahn geworfen wurde. Das ständige Maskentragen und Testen sei auf Dauer auch belastend und müsse hier berücksichtigt werden.

"Wenn wir 1,3 Millionen Kinder aussparen, hat das epidemiologische Effekte", so Zwiauer. Eltern, die nach der Sinnhaftigkeit fragen, würde er eine positive Rückmeldung geben. Auch wenn es aktuell noch mehr Impfwillige als Impfstoff gibt: Mit der Impfung von zwölf- bis 15-Jährigen starten könne man bereits Mitte bis Ende Juni, vielleicht aber auch erst Anfang Juli. 

Salzburg startet mit Juli

"All jene, die sich bis jetzt vorgemerkt haben, werden bis Ende Juni ihre erste Dosis erhalten haben", verkündete Salzburgs Gesundheitsreferent und Landeshauptmann-Stellvertreter Christian Stöckl bereits Donnerstagmittag. Schon mit 1. Juni können sich deswegen alle Jugendlichen ab zwölf Jahren für die Corona-Impfung vormerken lassen.

"Um im Herbst sicher in das neue Schuljahr starten zu können, gibt es im Sommer eine Schwerpunktaktion für Zwölf- bis 20-Jährige und im Herbst sollen auch Studierende vor Semesterbeginn immunisiert werden", so Stöckl weiter. Diese Freiheiten ergeben sich aus der bereits weit vorangeschrittenen Durchimpfung der älteren Bevölkerung und Risikogruppen.

In Salzburg sei man dann jedenfalls jederzeit bereit, loszulegen. Anstatt absteigend nach Alter vorzugehen, will man offenbar einen anderen Weg gehen. Von den 560.000 Salzburg sind rund 44.000 zwischen zwölf und 20 Jahren alt, erklärt Gernot Filipp, Leiter der Landesstatistik. Bei den 15- bis 19-Jährigen ist die Inzidenz mit einem Wert von über 70 aktuell auch am höchsten.

"In Hinsicht auf die Schulferien und das damit einhergehende gesellschaftliche Leben sehe ich das als essentiellen Schritt, um nicht nur im Sommer möglichst viele junge Menschen zu schützen, sondern vor allem in Hinblick auf das neue Schuljahr. Außerdem zeigen Studien, dass durch die Impfung nicht nur die Wahrscheinlichkeit eines schweren Covid-Krankheitsverlaufes reduziert wird, sondern auch die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung. Wollen wir also die jetzt guten Zahlen halten, ist diese Impfung der jungen Leute noch vor Schulbeginn der richtige Schritt", betont Stöckl.