"Dunkel, keine Decken"

In Afghanistan gefangen – rechtsextremer Wiener jammert

Der Blogger und Lehrer in Pension (84) wollte zeigen, dass Afghanistan sicher ist und wurde von den Taliban entführt. Nun jammert der Wiener in Haft.

Österreich Heute
In Afghanistan gefangen – rechtsextremer Wiener jammert
Eine Zelle im Pul-e-Charkhi-Gefängnis in Kabul, Afghanistan.
Reuters

Seit einem halben Jahr sitzt Herbert F. (84) in einem Taliban-Kerker in Kabul: Der rechtsextreme Blogger aus Wien war trotz Warnungen in das islamistische Land am Hindukusch gereist. Damit hatte er zeigen wollen, dass Afghanistan entgegen der Meinung von Experten ein sicheres Herkunftsland sei und man Flüchtlinge ohne Bedenken dorthin abschieben könne – und bewies das genaue Gegenteil. 

Petition für Verhandlungen gestartet

Denn der pensionierte Lehrer und bekannte Rechtsextremist wurde mit fadenscheiniger Begründung vor Ort entführt, festgenommen und sitzt seither in Gefangenschaft – unter menschenunwürdigen Bedingungen, wie seine Familie nun öffentlich macht. Auf "openpetition.eu" startete die Tochter des Inhaftierten nun eine Petition, die sich für umfassende Freilassungsbemühungen durch das österreichische Außenministerium einsetzt. "Die Familie macht sich große Sorgen um ihren Vater, Bruder, Großvater und Urgroßvater", heißt es in der Begründung.

Herbert F. jammerte wohl über seine karge Zelle ohne Tageslicht, in der er auf einer Matratze am kalten Boden und ohne Decken liegen müsse. "Hilfslieferungen, wie dringend notwendige Medikamente zur Blutverdünnung, kommen nicht an", warnt die Familie. Außerdem sei das Hörgerät des 84-Jährigen kaputtgegangen – "ohne Hörgerät könnte er bald taub werden", befürchten die Angehörigen.

Ausschnitt der Petition auf openpetition.eu
Ausschnitt der Petition auf openpetition.eu
Screenshot

Wegen "Spionage" droht Todesstrafe

Dem Österreicher, dem von der dort regierenden Terror-Organisation "Spionage" vorgeworfen wird, droht im schlimmsten Fall die Todesstrafe. Er gilt als zentrale Figur der rechtsextremen Szene. In den 1960er Jahren hatte er die später verbotene Nationaldemokratische Partei mitbegründet, betrieb zuletzt einen Telegram-Kanal und hetzerischen Blog im Internet.

Es wird gemunkelt, dass der verstörende Taliban-Trip von FPÖ-Urgestein Andreas Mölzer nach Afghanistan ebenfalls zum Zweck hatte, über eine Freilassung des inhaftierten Rechtsextremen zu verhandeln – offenbar ohne Erfolg. Nun soll die Online-Petition die Befreiung des 84-Jährigen vorantreiben – es wurden bereits 50 Unterstützungserklärungen gesammelt.

Bilder-Gallerie: Der inhaftierte 84-Jährige

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    Herbert F.: Das Gründungsmitglied der 1988 verbotenen Nationaldemokratischen Partei (NDP) ist in Afghanistan von den Taliban verschleppt worden.
    Herbert F.: Das Gründungsmitglied der 1988 verbotenen Nationaldemokratischen Partei (NDP) ist in Afghanistan von den Taliban verschleppt worden.
    Screenshot Youtube
    red
    Akt.